Tattendorf/Wien. Ein Weg aus Holzbrettern führt durch einen schmiedeeisernen Rundbogen, vorbei an Sträuchern, Gebüsch, Blumen und zahlreichen Bäumen, die mit Efeu bewachsen sind. Entlang des Weges stehen kleine Häuschen - aber diese sind nicht rechteckig, sondern rund. Wie riesige Weinfässer liegen sie da.

Hört sich an wie ein Märchen? Ist es aber nicht, auch wenn Kinder diesen Ort "Hobbitdorf" (bekannt aus dem Fantasyfilm "Herr der Ringe", Anm.) nennen. Es handelt sich dabei um sogenannte Schlaffässer. Waren es 2017 noch vier, stehen mittlerweile 15 Stück in Tattendorf, Niederösterreich. Laut Inhaber Christoph Rahofer ist es eine "hybride" Schlafmöglichkeit: Frei sein, von der Natur umgeben und doch Luxus und Sicherheit genießen. Eben eine Mischung aus Hotel und Camping - Glamping genannt.

Auch wenn der Trend zum glamourösen Campen nicht mehr ganz neu ist, boomt dieser noch immer. Laut der Internetplattform glamping.info gibt es österreichweit mittlerweile 69 sogenannte Glamping-Unterkünfte, darunter vor allem luxuriöse Holzhütten.

Mehr Privatsphäre

Rahofer profitiert von diesem Trend: 3000 Nächtigungen hat er im Jahr. "Die runde Form macht es aus, es ist mal etwas anderes. An den Wochenenden sind wir ausgebucht". Auch Jörg Reinwarth (31) und Janine Mühler (23) haben für ein Wochenende gebucht. Sie sitzen gerade inmitten der Schlaffässer auf zwei Sesseln. Normalerweise auf Festivals mit Zelt unterwegs, probiert das Paar erstmals Glamping.

Etwa 66.500 Camping-Fahrzeuge sind derzeit zugelassen. - © Jens Büttner
Etwa 66.500 Camping-Fahrzeuge sind derzeit zugelassen. - © Jens Büttner

"Wir campen gerne, weil wir es urig mögen. Die Leute sind entspannter. Dass wir uns selbst versorgen müssen, stört uns nicht, und dass wir keinen Komfort haben, gefällt uns", sagt Janine. Das ist dieses Wochenende aber anders, denn im Gegensatz zum Zelt verfügt das Schlaffass über eine feste Außenhülle aus hellem Holz, Fenster mit Karo-Vorhängen inklusive. Teerpappe schützt vor starkem Regen. Ausgestattet ist es im Inneren mit einem eingebauten Doppelbett, einem ausziehbaren Tisch, zwei Bänken, Steckdosen, elektrischem Licht und einem Heizlüfter für kalte Nächte. "Durch das Schlaffass haben wir mehr Privatsphäre, beim Zelt hört man den Lärm immer durch", sagt Janine. Jörg genießt die nahe Versorgung: "Gleich ums Eck ist ein Lebensmittelgeschäft. Ich würde es dafür mit einem Extra-Stern bewerten."

Thomas Mehlmauer, Präsident des Österreichischen Camping Clubs, sieht im zunehmenden Komfort einen gesellschaftlichen Trend: "Wo es möglich ist, machen es sich Menschen immer einfacher." Auch das Campen sei professioneller geworden. So gehören Duschhäuser mit fließend Wasser und WC bereits zur Standardausstattung eines Campingplatzes. "Früher waren Camping-Urlaube für den kleinen Mann, der sich sonst nichts leisten konnte", sagt Mehlmauer. In den vergangenen 10 bis 15 Jahren investierten Betreiber viel in die Plätze. Camping sei deshalb nun facettenreicher und lege sein Image ab. Dadurch steigen aber auch die Tarife. Preislich liegt Glamping etwa zwischen einem Stellplatz am Campingplatz und einer einfachen Pension - natürlich immer abhängig von Kategorie und Ausstattung. Teureres Campen dürfte Besucher aber nicht abschrecken: Seit 2015 steigen die Zahlen kontinuierlich. In den vergangenen drei Jahren erhöhten sich laut Statistik Austria die Übernachtungen um jeweils mindestens 8 Prozent. So entfielen 6.927.831 Übernachtungen im Jahr 2018 auf die etwa 450 Campingplätze in Österreich. Das sind 6,5 Prozent der Gesamtnächtigungen aller Beherbergungsbetriebe zusammen.