Puch. Ein paar Jahre war Sonja Ottenbacher bereits Bürgermeisterin der Gemeinde Stuhlfelden im Pinzgau in Salzburg. Da kam ihr die Idee, sich mit anderen Bürgermeisterinnen auszutauschen. Viele hat es ja zu diesem Zeitpunkt nicht gegeben, nicht einmal 80. Und Österreich hat immerhin 2100 Städte und Gemeinden. "Ich habe mir gedacht, dass es ein kleines, entspanntes Treffen geben soll." Das war 2007. Damals fand das erste Bürgermeisterinnentreffen statt, gekommen sind etwa zwei Dutzend. Von Sonntag bis heute, Mittwoch, erlebte das Treffen seine 13. Auflage in Puch bei Weiz. Auch dort amtiert mit Gerlinde Schneider eine Bürgermeisterin.

Ottenbacher ist heute nach wie vor Bürgermeisterin von Stuhlfelden. Im März ist die ÖVP-Politikerin als einzige Kandidatin zur Direktwahl angetreten, rund 91 Prozent bestätigten sie in ihrem Amt. Die Zustimmung war damit noch etwas größer als fünf Jahre zuvor. Mittlerweile ist Ottenbacher eine von 173 Bürgermeisterinnen in Österreich, seit dem ersten Treffen ist also doch einiges passiert. "Aber Luft nach oben ist gegeben", sagt sie. Das zeigt auch ein Blick auf den europäischen Vergleich.

In Österreich stellen 8,2 Prozent der Gemeinden eine Bürgermeisterin, in Deutschland sind es knapp unter zehn Prozent, in Frankreich sind es etwa doppelt so viele. Dort wurde auch auf allen Ebenen ein Reißverschlusssystem eingeführt, andernfalls drohen teils empfindliche Strafen. Die Zahl der Gemeinderätinnen in Frankreich hat sich dadurch in recht kurzer Zeit verdoppelt, und parallel auch jene der Bürgermeisterinnen. Auch in Österreich ist auf Ebene der Gemeinderäte die Frauenquote eine deutlich bessere mit etwa 23 Prozent. Dennoch ist die mangelnde Repräsentation eklatant. Aber auch hier: Es tut sich etwas.

...und Roswitha Glashüttner sind 2 von aktuell 173 Bürgermeisterinnen. Es sollen mehr werden, deshalb sind sie nun auch Vizepräsidentinnen des Gemeindebundes. - © Roland Schuller
...und Roswitha Glashüttner sind 2 von aktuell 173 Bürgermeisterinnen. Es sollen mehr werden, deshalb sind sie nun auch Vizepräsidentinnen des Gemeindebundes. - © Roland Schuller

"Bewusstsein setzt sich durch"

"Es ist jetzt in den Köpfen drin", sagt Ottenbacher. "Frauen trauen sich das zu, und die Bürger trauen es auch den Frauen zu. Dieses Bewusstsein setzt sich immer weiter durch", sagt die langjährige Bürgermeisterin.

Roswitha Glashüttner war zum ersten Mal bei einem Bürgermeisterinnentreffen. Vor eineinhalb Jahren hat sie in Liezen in der Steiermark Langzeit-Bürgermeister Rudi Hakel an der Spitze abgelöst. Davor war die Sozialdemokratin aber schon Jahrzehnte in der Kommunalpolitik aktiv und zuletzt Vizebürgermeisterin. Sie hatte also Erfahrung. Trotzdem, sagt auch sie, ganz oben zu stehen, ist dann doch etwas ganz anderes. "Man kann es sich nicht vorstellen, was das bedeutet, Bürgermeisterin zu sein. Das erste Jahr war schon eine große Herausforderung."