Wien. Wie das Schnitzel auf dem Teller während des Mittagessens schrumpft die Anzahl der Gasthäuser kontinuierlich. Gab es im Jahr 1978 laut Wirtschaftskammer Österreich (WKO) noch rund 15.000 Gasthäuser, so waren es im Vorjahr nur noch etwa 8000. Eine Gesetzesnovelle 1998, mit der Vereinsfeste aus der Gewerbeordnung ausgenommen wurden und Wirte nun nicht mehr für deren Ausschank sorgen müssen, trieb das Wirtshaussterben zusätzlich voran. Seitdem ist die Anzahl der Vereine der WKO zufolge um 16 Prozent gewachsen, während jene der traditionellen Wirtshäuser weiter sank.

Ernst Pühringer, Fachgruppenobmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft der WK Salzburg, spricht von "Wildwuchs" und "immer stärker werdender Konkurrenz für Dorfwirtshäuser", wenn die Sprache auf Vereinsheime fällt. Die Gesetzesnovelle "schlug sich massiv nieder", meint dazu Mario Pulker, WKO-Fachverbandsobmann für die Gastronomie und Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in Niederösterreich.

Es ist aber freilich ein Zusammenspiel zahlreicher Faktoren, das die Anzahl der Gasthäuser sinken lässt. Ganz wesentlich sei der gesellschaftliche Wandel, so Thomas Mayr-Stockinger von der WK Oberösterreich. "Die meisten Dorfbewohner arbeiten in der Stadt und essen dort. Das führt zu großen Defiziten in der Rentabilität der Dorfwirtshäuser." Und am Wochenende fehlten meist Muße und Zeit, um mit der Familie essen zu gehen.

Sozialer Treffpunkt geht verloren

Dass mit dem Zusperren des letzten Wirtshauses im Dorf aber ein wichtiger sozialer Faktor, ein Treffpunkt für Hochzeiten, Begräbnisse, Ballbesucher oder Kirchengänger wegfällt, dürften mittlerweile fast alle Landesregierungen erkannt haben. Denn ein Bundesland nach dem anderen arbeitet Pläne aus, wie man den Wirten unter die Arme greifen könnte, damit das traditionelle Wirtshaus erhalten bleibt.

Zuletzt hat Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) Ende des Vormonats angekündigt, im Herbst ein Paket für den Erhalt von Wirtshäusern präsentieren zu wollen. Geplant sei ein Kostenzuschuss für Wirtshausübernahmen von 15 Prozent und eine Landesprämie von 10.000 Euro, wenn es sich um das letzte Wirtshaus im Dorf handelt, sagte er. Außerdem sollen die Behördenverfahren vereinfacht werden. All das allerdings nur, sofern das Speisenangebot traditionell und regional ist, der Betrieb auf à la carte setzt und ganzjährig geöffnet hat, so die Voraussetzungen.

Salzburgs Wirtesprecher Pühringer forderte daraufhin ebenfalls eine Förderung bei Übernahmen. Vor allem die mehr als 80 Behördenauflagen, die für jeden Wirt jährlich zu überprüfen seien, erschwerten die Situation massiv, sagte er. In Salzburg gebe es viele Ortschaften, in denen das letzte Wirtshaus bereits zugesperrt habe.