Das Innviertel steht sogar besser da als so manche Stadt in Österreich. Die Region schafft es auch, gänzlich neue Pfade zu beschreiten. So hat sich aus dem Sporthersteller Fischer der Flugzeugkomponentenhersteller FACC entwickelt, der unter anderem Airbus beliefert und an Flugtaxis forscht. Mitunter sind es historische Zufälle, warum man diese Firmen auf dem Land findet. So übersiedelte etwa der Gründer der Plansee Group, die im Außerfern hoch spezialisierte Werkstoffe entwickelt, 1921 von Berlin in die Tiroler Berge. Er benötigte große Mengen an Elektrizität, was durch das benachbarte Wasserkraftwerk garantiert war.

Eine Frage der Strategie

Würden die Nachteile in ländlichen Regionen überwiegen, wären all diese Unternehmen gut beraten, ihren Sitz in eine Stadt zu verlagern. Doch fragt man sie nach der Einschätzung ihres Standorts, erhält man interessante Antworten zu den Strategien. So setzen Unternehmen verstärkt darauf, Arbeitskräfte im Betrieb auszubilden, da Personen mit entsprechender Ausbildung am lokalen Arbeitsmarkt selten sind. Lehrlingsprogramme vermitteln die benötigten Qualifikationen von Beginn an, teilweise gibt es auch Stipendien, wenn jemand ein Studium einschiebt und danach in den Betrieb zurückkehrt.

Genauso wichtig ist es, dass Firmen sich aktiv bemühen, in nationale und internationale Wissensnetzwerke mit Forschungseinrichtungen und Partnerfirmen eingebunden zu sein. In Städten kommt es leichter zu einem spontanen Austausch, doch dieser lässt sich durch formale Kooperationen teilweise ersetzen. Auch Zweigstellen im In- und Ausland werden zu diesem Zweck eingerichtet und man versucht, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren, um den einen oder die andere aufs Land zu locken.

Andererseits haben Unternehmen auch gelernt, die Vorteile am Land zu nutzen. Arbeitskräfte sind beispielsweise überdurchschnittlich loyal, überlegen sich gut, ob sie in dieser Region arbeiten wollen, und lassen sich selten abwerben. Das schützt Unternehmen bis zu einem gewissen Grad davor, dass interne Expertise zur Konkurrenz wandert.

Enge Kooperationen

In einigen Fällen ist das Zusammenspiel von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft in der Region vorbildhaft. Man kennt sich und arbeitet an gemeinsamen Projekten, wie etwa eine Fachhochschule in die Region zu holen. Durch enge Kooperationen mit Ausbildungsstätten lassen sich auch Lehrgänge besser auf die Bedürfnisse der Unternehmen abstimmen. Zusätzlich sind sanfte Standortfaktoren wie eine hohe Lebensqualität im Recruiting von Bedeutung. So manche Entwicklerin setzt sich nach der Arbeit lieber auf das Mountainbike als in einen überfüllten Pendlerzug.

Schließlich spielen klassische Kostenvorteile wie niedrigere Löhne und geringere Grundstückspreise eine Rolle. Hat ein Unternehmen neben der Entwicklungsabteilung auch viele Personen in der Produktion beschäftigt, kann dies in einem Hochlohnland wie Österreich Kostenersparnisse bringen. Entwicklung und Produktion an einem Standort zu haben, ist auch für den Innovationsprozess von Vorteil. Man kann so flexibler auf Probleme reagieren.

Innovative Unternehmen leisten zweifellos einen Beitrag zur zukünftigen Entwicklung ländlicher Regionen. Das hat auch die Politik erkannt und möchte Innovationsaktivitäten abseits der Zentren forcieren, beispielsweise mit dem "Masterplan für den ländlichen Raum". Allerdings gibt es dabei drei Herausforderungen: Erstens unterscheiden sich ländliche Räume und die Bedürfnisse der Unternehmen stark. Die gleiche Maßnahme kann in verschiedenen Regionen zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.