Zweitens basieren viele gängige Politikansätze auf Erfahrungen aus Städten, wie etwa die Idee eines fachlich spezialisierten Innovationszentrums. Innovationsaktivitäten am Land sind aber sehr divers, es gibt sowohl Großunternehmen wie auch Start-ups, die in den verschiedensten Branchen und weit voneinander entfernt tätig sind. Der "Cluster in der Peripherie", also die Konzentration mehrerer Unternehmen und Forschungseinrichtungen derselben Branche an einem Ort, bleibt so häufig ein Wunschdenken.

Und drittens fokussiert Innovationspolitik nach wie vor stark auf Grundlagenforschung und High-Tech-Branchen. Unternehmen in ländlichen Regionen bauen ihren Innovationsprozess aber stärker auf langjähriger Expertise und Qualifikationen auf, die man eher am Arbeitsplatz und weniger im Studium erlernt. Und in eher traditionellen Branchen, die zu wenig Beachtung finden.

Smarte Standortpolitik

Dennoch kann die Politik gestalten, wenn sie sich dieser Punkte bewusst ist und auf vorhandenen Potenzialen aufbaut. Ein Betriebsgebiet mit Glasfaseranbindung alleine sind für kaum ein Unternehmen Grund genug, sich auf dem Land niederzulassen, aber dennoch eine notwendige Voraussetzung. Auch Investitionen in Straßen- und Schienennetze, die zu besserer Erreichbarkeit führen, können sinnvoll sein.

Auch eine Fachhochschule ist interessant, wenn die Studiengänge passend sind und es weniger Konkurrenz um die Absolventen gibt, als dies in Städten üblich ist. Für Start-ups kommt ein Umzug aufs Land dann in Frage, wenn sehr schnell große Produktionsstätten notwendig werden, die im Zentralraum unbezahlbar wären. Eine Standortpolitik, die stärker darauf abzielt, die vorhandenen Unternehmen bestmöglich zu unterstützen, Start-ups den Umzug und Großunternehmen eine Niederlassung schmackhaft zu machen, kann also längerfristig erfolgreicher sein als der Versuch, ein Innovationszentrum auf der grünen Wiese zu etablieren.

Herausforderungen und Chancen im ländlichen Raum sind vielfältig, weshalb allgemeine Empfehlungen schwierig sind. Einzelmaßnahmen wie das Verlegen von Glasfaserleitungen sind nur scheinbare Patentrezepte. Um die Erfolgschancen zu erhöhen, braucht es eine ganzheitliche Betrachtungsweise und von politischer Seite individuelle, maßgeschneiderte Lösungen. Dafür muss auch die Wirtschaftsgeografie die Innovationsprozesse der Peripherie stärker ins Zentrum des Forschungsinteresses stellen, um dafür die notwendige Grundlage zu liefern.