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Schattendorf hat trotz seiner nur knapp 2500 Einwohner einen festen Platz in der österreichischen Geschichte. Das ist dem "Schattendorfer Urteil" zu verdanken, infolgedessen bei Protesten in Wien der Justizpalast im Jahr 1927 in Brand gesteckt wurde.

Doch woher hat dieses Schattendorf seinen Namen? Der Ursprung geht auf slawische Siedler zurück. In einem aus dem Jahr 1153 stammenden Schriftstück wird Schattendorf erstmals als "Praedium Suesla" erwähnt, wobei Praedium aus dem Altslawischen für Gutshof steht. Ein gewisser Adalbert, Gesandter von König Geza II., soll das Gut vor seinem Aufbruch zu einer größeren Reise dem Benediktinerstift Martinsberg vermacht haben. Doch entweder war die Urkunde falsch aufgesetzt oder Adalbert kehrte lebend zurück; Schattendorf ist jedenfalls nicht im Besitz der Benediktinerabtei.

Die Bewohner des Ortes werden später, wie Urkunden aus dem 13. und 14. Jahrhundert belegen, Suslan, Suslen, Susleer, Zvzleen und Zwsleen genannt. Die Namen gehen auf die slawische Wurzel "sus" zurück und bedeuten "Ratte" oder "Ziesel".

Von Sandorph
zu Schadendorf

Die "Suslani", wie sich die slawischen Siedler um 1225 nannten, haben den Ortsnamen geprägt. Nahe dem Dorf fließt der Zeiselbach im Oberlauf des Aubaches entlang und aus diesem Tal kamen die Suslani. Und so oft sich ihre Bezeichnung wandelte, wechselte auch der Ortsname: Von "Saderndorf" (1243), auf "Sandorph" (1346), zu "Sadundorf" (1350) und erst der Name "Schadendorf" (1387) blieb bis ins 15. Jahrhundert bestehen.

Nach zahlreichen Kriegen und Bränden wird Schattendorf um 1898 dem Bezirk Ödenburg zugeschrieben und in der Staatssprache nur noch als "Somfalva" bezeichnet. Damals lag der Ort inmitten von Österreich-Ungarn, heute liegt er direkt an der Grenze zu Ungarn. Und auf der ungarischen Seite liegt Agendorf (Ágfalva): Agendorf wird auch Dagendorf genannt und soll gemeinsam mit Schattendorf ein Ortsnamenpaar bilden. Weil Dagendorf im Süden (im Tag gelegen) und Schattendorf im Norden (das Dorf im Schatten) liegt, kann an eine strategisch geplante Anlage der Orte gedacht werden.