Waldbach wurde mit Mönichwald zur Fusion gezwungen. Nun gibt es in der neuen Gemeinde zwei Kirchen. - © Wikimedia Commons/ DerGraueWolf
Waldbach wurde mit Mönichwald zur Fusion gezwungen. Nun gibt es in der neuen Gemeinde zwei Kirchen. - © Wikimedia Commons/ DerGraueWolf

Graz. Das Sonnenlicht zieht einen funkelnden Teppich über den See, daneben der Kirchturm, buntgestrichene Häuser, saftiges Grün, umringt von dunklen Wäldern. Vier Autominuten weiter wiederholt sich das Bild: bunte Häuser, Kirchturm, Wiesen, Wald. Äußerlich regiert in zwei oststeirischen Dörfern am Fuße des Wechselgebirges die Idylle. Doch idyllisch waren die vergangenen Jahre hier nicht: Hitzige Diskussionen zogen sich durch die Wirtshäuser und Gemeindeämter, Kämpfe wurden ausgetragen. Und das deshalb, weil die zwei Gemeinden zu einer geworden sind.

Waldbach und Mönichwald wurden im Zuge der steiermärkischen Gemeindestrukturreform am 1. Jänner 2015 vereint. Heute steht zwischen Waldbach und Mönichwald ein Bindestrich, verbunden fühlen sie sich deswegen nicht. Oder wie es Bürgermeister Stefan Hold (ÖVP) ausdrückt: "Ein Waldbacher wird immer ein Waldbacher bleiben und ein Mönichwalder immer ein Mönichwalder."

Wenn Vertreter aus der Politik oder Wissenschaft von jenen Randgebieten sprechen, aus denen die Menschen abwandern, aus denen die Jungen gehen und die Alten zurückbleiben, es an Geld fehlt und die bestehende Infrastruktur kaum aufrechtzuerhalten ist, dann sind damit Orte wie Waldbach oder Mönichwald gemeint. Seit 1981 hat Mönichwald mehr als 15 Prozent der Einwohner verloren, Waldbach sogar ein Viertel. In der fusionierten Gemeinde leben heute rund 1580 Menschen, die Prognosen gehen von weiteren Verlusten aus. Es gibt kaum Arbeitsplätze, zwei Drittel pendeln aus.

Die Kirche in Mönichwald bleibt. Aber sie hat in gewisser Weise Zuwachs bekommen.
Die Kirche in Mönichwald bleibt. Aber sie hat in gewisser Weise Zuwachs bekommen.

Alles Gründe, warum jeder Widerstand gegen eine Fusion vergeblich war. Weder die vielen Briefe, die die damaligen Bürgermeister an die Landesvertreter schickten, noch die jeweils achtzig Prozent der Waldbacher und Mönichwalder, die gegen einen Zusammenschluss stimmten, konnten diesen verhindern. Auch der letzte Weg vor den Verfassungsgerichtshof blieb ohne Erfolg. Die Landesvertreter zwangen alle Gemeinden zu ihrem vermeintlichen Glück - was bereits vor der Umsetzung auch von Befürwortern der Reform auf Kritik stieß.

Im Zuge der Strukturreform wurde die Anzahl der steirischen Gemeinden von 543 auf 287 reduziert. Sie sollten professioneller, effizienter, und vor allem zukunftsfähig werden. Wo stehen die Gemeinden mehr als eineinhalb Jahre nach den Fusionen? Und können Fusionen der Landflucht - eines der größten Probleme in den peripheren Regionen - entgegenwirken?

Ein aussagekräftiges Resümee, sagen Experten, wird man erst in Jahren, womöglich Jahrzehnten treffen können. Wer durch die Gemeinden tourt und die Fragen an Menschen vor Ort, an Politiker und Forscher weiterreicht, wird erkennen: Die Antworten liegen weit auseinander. Weil auch die Ausgangslagen andere waren.

Während Stefan Hold ernüchtert über den Fusionsprozess spricht, trifft man 90 Kilometer weiter westlich einen euphorischen Mann mit breitem Lächeln im Gesicht. Manfred Abl (SPÖ), Bürgermeister der Gemeinde Trofaiach, sagt Sätze wie diesen: "Die Fusion? Ein voller Erfolg!" Oder: "Die Zusammenarbeit mit dem Land lief perfekt." Trofaiach fusionierte mit den Nachbargemeinden Hafning und Gai, im Gegensatz zu Waldbach und Mönichwald machten sie das aber freiwillig und bereits im Jahr 2013. Sie wurden damit zum Role Model der Reform.

Mehr Geld für
Investitionen

Aus den ehemaligen Abgangsgemeinden entstand eine 11.500-Einwohner-Stadtgemeinde, der jährlich rund zwei Millionen Euro für Investitionen bereitstehen. Einen Großteil der Summe machen die höheren Bundesertragsanteile durch das Überschreiten der 10.000-Einwohner-Grenze aus. "Wir bekommen dadurch jährlich 1,5 Millionen mehr", sagt Abl.

Laut dem aktuellen Finanzausgleich erhalten die Gemeinden elf Prozent der Steuereinnahmen des Bundes, wobei größere Gemeinden durch den "abgestuften Bevölkerungsschlüssel" pro Kopf mehr Geld bekommen. Auch das war ein Pro-Fusions-Argument. Eine Gemeinde mit mehr als 10.000 Einwohnern erhält etwa den 1,66-fachen Betrag pro Kopf. Was für Trofaiach Anreiz war, stand für Waldbach und Mönichwald mit jeweils weniger als 1000 Einwohnern gar nicht zur Debatte. Der Gemeindebund fordert übrigens seit Jahren die Abschaffung dieses Verteilungsschlüssels.

Zwang zur Fusion
als Irrweg?

"Durch die Fusion haben wir aber auch bei gemeinsamen Versicherungsverträgen 50 Prozent eingespart, bei Bankzinsen 60 Prozent, und auch mit zentralem Einkauf und einer gemeinsamen Telefonanlage", berichtet der Trofaiacher Bürgermeister. Während Trofaiach, Hafning und Gai bereits ein Jahr vor der Fusion ihre Finanzen koordinierten, mit der Bevölkerung ein Leitbild für eine gemeinsame Zukunft erarbeiteten und sich heute selbst nicht als "fusionierte", sondern als "neue Gemeinde" bezeichnen, verbindet Waldbach-Mönichwald bisweilen nur der Bindestrich.

"Für die Bürger hat sich nicht wirklich etwas geändert", sagt Bürgermeister Hold. Bis auf den Gemeinderat, das Gemeindeamt und seine Mitarbeiter eint sie wenig. Weder Müllabfuhr noch Wasserversorgung sind einheitlich geregelt, und wer im Internet nach der Gemeinde sucht, findet zwei getrennte Websites.