Fließ. (sir) Die Gemeinde Fließ in Tirol im Bezirk Landeck hatte ein Problem, das gegenwärtig rund 40 Prozent aller österreichischen Gemeinden betrifft: Abwanderung. Das ist nun anders, wie Bürgermeister Hans Peter Bock (SPÖ) erzählt. "Wir haben einen Bevölkerungsstand wie noch nie. Durch unsere Infrastruktur bleiben die Menschen da, und außerdem kommen Familien auch zurück", sagt Bock.

Für die Infrastruktur, die vor allem in den vergangenen 15 Jahren in der 3000-Einwohner-Gemeinde errichtet wurde, hat Fließ nun den Europäischen Dorferneuerungspreis erhalten und sich dabei gegen 24 Wettbewerbsteilnehmer aus elf Staaten durchgesetzt. Die Preisverleihung fand in Tihany in Ungarn statt, in zwei Jahren wird nun Fließ selbst Ausrichter dieser biennalen Veranstaltung.

Hauptprojekt in Fließ war das neue Gemeindezentrum beziehungsweise generell die Ortskernbelebung, die in einem zweistufigen Verfahren mit Beteiligung der Bewohner entwickelt wurde. Gemeinsam mit dem Architekturbüro Nonkonform wurden in einem partizipativen Verfahren die Wünsche und Bedürfnisse der Nutzer wie auch der Gemeinde ausgelotet und entsprechend geplant. Beim Architekturwettbewerb konnte die Bevölkerung dann auch der Jurysitzung beiwohnen, die Akzeptanz unter den Bürgern für das Dorferneuerungsprojekt war nicht zuletzt auch deshalb groß.

Neben dem neuen Gemeindezentrum (Architekten Rainer Köberl und Daniela Kröss aus Innsbruck) kaufte die Gemeinde auch ein altes Fabriksgebäude auf, um dort günstige Arbeitsplätze für Start-ups einzurichten (drei Euro pro Quadratmeter und Jahr). Ein Naturpark wurde entwickelt und die vier Almen, allesamt in Gemeindebesitz, revitalisiert sowie die Kinderbetreuung massiv ausgebaut. In Sachen Abwanderung habe sich die Situation für Fließ "komplett gedreht", sagt Bürgermeister Bock.

Der Arge Landentwicklung und Dorferneuerung, die den Preis vergibt, sitzt Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll vor, der auch den Preis in Tihany vergab.