Rohrbach. Sepp Reiter steht zwischen seinen sieben Meter hohen Hopfenreben und lächelt zufrieden. Es ist Mitte August und der Hopfen noch nicht ganz reif. Reiter sieht sich seine Pflanzen genau an, pflückt eine Dolde und riecht daran: "Das wird eine gute Ernte." Sepp Reiter ist Obmann der Erzeugergemeinschaft (Genossenschaft) für Mühlviertler und Waldviertler Hopfen. Mit Schauanlagen in ganz Österreich, Erlebnisfahrten durch seine Felder und Veranstaltungen in seinem Bauernhof will er erklären, was Hopfen ist und wo er herkommt.

Wasser, Malz und Hopfen. Das sind die Grundzutaten von Bier. Vereinfacht lässt sich sagen: Das Wasser ist die Basis, das Malz bringt die Stärke und der Hopfen das Aroma. Hopfen ist dabei der teuerste der drei Rohstoffe. Über Preise sprechen weder Brauereien noch Erzeuger gerne. Er wird jedenfalls nicht in Tonnen, sondern in Kilogramm gehandelt. Für kleine Brauer kostet ein Kilogramm Hopfen - je nach Sorte - bis zu 300 Euro. Allerdings braucht man nicht viel von der Pflanze zum Brauen, für einen Liter Märzenbier reichen schon ein paar Gramm Hopfen. Große Brauereien, die gleich mehrere Tonnen einkaufen, haben zudem bessere Konditionen.

Wachstum bis zu
35 Zentimeter täglich

Hopfen kann prinzipiell zwischen dem 35. und 55. Breitengrad angebaut werden, also beinahe in ganz Europa, tatsächlich wird er aber nur in einigen Regionen kultiviert. "Wichtig sind lange Tage und kühle, feuchte Nächte im Sommer", erklärt Sepp Reiter. Der beste Ertrag werde auf lehmigen, sandigen Böden erzielt. Bis zur Sonnenwende wächst der Hopfen sehr schnell. Es gibt Sorten, deren Pflanzen täglich bis zu 35 Zentimeter wachsen. Nach der Sonnenwende beginnt dann das Breitenwachstum. Für die Biererzeugung sind ausschließlich die weiblichen Ranken relevant. Nur sie tragen die Dolden, die das gelbpulvrige Lupulin in sich haben. Im Lupulin reichern sich Hopfenöle und Hopfenbitterstoffe an, die dem Bier das Aroma (und seinen Schaum) geben.

Der Zyklus des Hopfenanbaus beginnt im Frühjahr. Ab Ende März wird der Hopfen unter die Erde zurückgeschnitten. Danach spannt man in den Gerüstanlagen die Steigdrähte für die Pflanzen. Der mit dem Hanf verwandte Hopfen ist eine Schling- und Würgepflanze und wächst an diesen Steigdrähten hoch. Beim "Anleiten" legt man die drei aussichtsreichsten Triebe im Uhrzeigersinn um den Draht. Die übrigen Triebe entfernt man.