- © WZ/Simon Rosner
© WZ/Simon Rosner

Haslach im Mühlviertel ist das passiert, was in den kommenden Jahren landesweit noch vielen Gemeinden passieren wird. Einer von zwei niedergelassenen Allgemeinmedizinern hat das Pensionsalter erreicht, den Kassenvertrag zurückgelegt und seine Praxis geschlossen. Nachfolger? Nicht in Sicht. "Wir versorgen jetzt von Haslach aus 5000 Einwohner, und das mit nur einem Arzt", erzählt Erwin Rebhandl, der vorerst einzig verbliebene Hausarzt im Ort.

Zwar gibt es derzeit so viele Allgemeinmediziner wie noch nie, laut Statistik Austria sind es 14.275, die Altersstruktur bedingt jedoch, dass bis 2020 knapp ein Drittel davon in Pension gehen wird. Bis 2030 ist damit zu rechnen, dass fast drei Viertel nicht mehr arbeiten werden. Bereits jetzt ergeht es einigen Gemeinden wie Haslach, wie Helmut Mödlhammer, Präsident des Gemeindebundes, sagt. "Es häufen sich die Fälle, in denen offene Kassenstellen mehrfach ausgeschrieben werden müssen und sich oft kein einziger Bewerber dafür findet."

Der Gemeinde Haslach ist es am Ende doch gelungen. Es hat sich jemand gefunden, ein Arzt aus Linz, der allerdings auch aus der Region stammt. Das ist grundsätzlich förderlich. Doch im konkreten Fall war es nicht der einzige Grund. Denn die beiden Kassenstellen für Allgemeinmedizin in der Gemeinde im Mühlviertel werden zusammengelegt und zu einem Primärversorgungszentrum, das im kommenden Jahr eröffnen wird. Dafür saniert die Gemeinde ein in ihrem Besitz stehendes Haus und richtet die neue Gruppenpraxis ein, wobei das Land Oberösterreich einen Teil der Mehrkosten übernimmt.

Neben den zwei Allgemeinmedizinern sollen in einem Jahr auch zwei Diplomkrankenschwestern, ein Physiotherapeut, ein Logopäde und ein Psychologe in der Praxis arbeiten - alles unter einem Dach. Erst durch dieses Projekt, das Rebhandl selbst intensiv betrieben hat, sei es gelungen, die freie Kassenstelle nachzubesetzen, wie er sagt: "Das sind attraktivere Arbeitsbedingungen."

Unzweifelhaft haben sich die Bedürfnisse der (jungen) Ärzte in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten verändert. Früher, da gab es den klassischen Landarzt, dessen Ehefrau die Praxis administrativ schupfte. Wochenarbeitszeiten jenseits der 60 Stunden waren keine Seltenheit, und praktisch rund um die Uhr musste "der Herr Doktor" erreichbar sein und bei Notfällen ausrücken. Wer die Wahl hat, wählt diesen Job heutzutage nicht mehr.