In Zederhaus wird jetzt ein Autobahnlärmschutz gebaut – nach zehn Jahren Verhandlungen und fünf Jahren Vorbereitungsarbeiten. - © Nagl
In Zederhaus wird jetzt ein Autobahnlärmschutz gebaut – nach zehn Jahren Verhandlungen und fünf Jahren Vorbereitungsarbeiten. - © Nagl

Zederhaus/Pressbaum. Zederhaus und Pressbaum haben mehr gemeinsam, als man denken würde. Zederhaus liegt in Österreichs am dünnsten besiedelten Bezirk, dem Salzburger Lungau. Pressbaum liegt nur wenige Kilometer von Wien, Österreichs am dichtesten besiedelter Stadt, entfernt. Der Bürgermeister von Zederhaus, Alfred Pfeifenberger, freut sich, wenn die Einwohnerzahl stabil bleibt. Pressbaums Bürgermeister Josef Schmidl-Haberleitner kann alljährlich dutzende neue Einwohner begrüßen.

Pressbaum hat mittlerweile gut 7000 Einwohner, Zederhaus noch etwas mehr als 1000 Einwohner. Und doch haben die beiden grundverschiedenen Gemeinden eine bedeutende Gemeinsamkeit. Die Autobahn, die durchs Gemeindegebiet und nah am Ortszentrum vorbeiführt, ist sowohl für Pressbaum als auch Zederhaus ein bestimmender Faktor.

Im Lungauer Ort liegt das Rathaus an der Hauptstraße, gegenüber liegt die Pfarrkirche, hinter dem Friedhof führt bereits die Autobahn vorbei. Neben dem Rathaus sind, stolz vermerkt an der Fassade, der "Naturparkkindergarten" und die "Naturparkvolksschule". Der namensgebende Naturpark befindet sich allerdings in einem Seitental. Dagegen sind es laut Google Maps vom Rathaus zur Autobahn nur gute 70 Meter Luftlinie.

In Pressbaum liegt etwas mehr Raum zwischen Rathaus und Autobahn, die gut 300 Meter werden aber ebenfalls von kaum einer Gemeinde unterboten. Das sorgt zwangsläufig für Lärm in der Gemeinde, und das ist der große Nachteil der nahen Autobahn.

Der Anschluss an eine Hauptverkehrsroute ist der große Vorteil, der dem gegenübersteht. Da sind sich beide Bürgermeister einig und das zeigt sich auch an der Bevölkerungsstruktur der Gemeinde. In Pressbaum sind laut Statistik Austria 78 Prozent der Erwerbstätigen Auspendler, in Zederhaus sind es immerhin noch 73 Prozent.

So ist für den Pressbaumer Bürgermeister Schmidl-Haberleitner der größte Vorteil der Autobahn, dass man "von Pressbaum relativ rasch in Wien ist". Auch diese Aussage wird von den Daten gestützt. 54 Prozent der Erwerbstätigen pendeln nach Wien, in keiner anderen Gemeinde arbeiten mehr Pressbaumer. In Zederhaus bleibt die Mehrheit der Pendler zwar im Bezirk, immerhin 13 Prozent der Pendler nehmen aber die mehr als einstündige Autofahrt in die Stadt Salzburg in Kauf. "Der Anschluss an die Landeshauptstadt und Richtung Kärnten", ist für Pfeifenberger auch der größte Vorteil der Autobahn.

Ein naher Autobahnanschluss kann aber auch noch andere Vorteile haben, von dem diese beiden Gemeinden in nicht so großem Ausmaß profitieren. Der Vorchdorfer Bürgermeister Gunter Schimpl sagt: "Ich sehe die Autobahn als Lebensader." Die oberösterreichische Gemeinde liegt direkt an der Westautobahn. Im Hinblick auf die Arbeitsplätze gibt es in Vorchdorf mehr Einpendler als Auspendler. Die Gemeinde mit gut 7000 Einwohnern beherbergt gleich am Autobahnanschluss zwei Großbetriebe. Viele Pendler fahren aber nur kurz auf der Autobahn: Die meisten Einpendler kommen aus der Nachbargemeinde Laakirchen mit zwei Autobahnanschlüssen. Bei den Auspendlern ist Laakirchen nach Wels die beliebteste Destination.

Jahrhundertbauwerk als Antwort auf Jahrhundertereignis

Die Autobahn spielt für Vorchdorfs wirtschaftliche Entwicklung jedenfalls eine bedeutende Rolle. "Betriebsansiedlungen leben und sterben mit der Verkehrsanbindung", meint Schimpl. Auf der Gemeindehomepage heißt es: "Der Bau der Westautobahn Anfang 1960 löste einen ungeahnten wirtschaftlichen Aufschwung aus." Ähnliches gilt auch für Zederhaus und den gesamten Lungau.

"Die Eröffnung der Tauernautobahn 1975 war für die gesamte Region ein Jahrhundertereignis", erzählt Pfeifenberger. Allerdings braucht es nun ein, wie Pfeifenberger sagt, "Jahrhundertbauwerk", um die Auswirkungen der Autobahn einzudämmen. Die Einhausung von Zederhaus, die gerade gebaut wird, ist jenes "Jahrhundertbauwerk".

Auf einer Länge von 1,5 Kilometern wird die Autobahn auf Höhe des Ortszentrums komplett eingefasst. Das Projekt kostet rund 70 Millionen Euro und soll inklusive der Außenarbeiten im kommenden Sommer abgeschlossen sein.

Zurück ins Jahr 1975: "Damals hat keiner gedacht, dass es so laut werden wird", erzählt Pfeifenberger. Die Verkehrszunahme sei der Hauptgrund dafür, so der Bürgermeister. Diese Verkehrszunahme ist signifikant. Allein von 2005 bis 2016 nahm die Zahl der Fahrzeuge in Fahrtrichtung Villach an der Zählstelle Zederhaus im Urlaubsmonat August von 13.100 auf 18.688 zu. Als nach der Brandkatastrophe im Jahr 1999 im Tauerntunnel der Bau einer zweiten Röhre beschlossen wurde, bemühte sich die Gemeinde sofort um einen umfassenden Lärmschutz. Nach zehn Jahren Verhandlungen und fünf Jahren Vorarbeiten wird nun gebaut. "Das gibt uns ganz andere Entwicklungsmöglichkeiten, und wir haben auch wieder die Möglichkeit, Bauland widmen zu lassen", erklärt Pfeifenberger.

Denn der Autobahn-Lärm ist auch beim Zuzug von neuen Bewohnern ein Thema. In Pressbaum ist das in überraschend geringem Ausmaß der Fall. "Die Autobahn wird von den Zuzüglern als nicht so störend empfunden, weil sie aus Wien Straßenlärm gewohnt sind", berichtet Bürgermeister Schmidl-Haberleitner.