Amt der Bundesregierung

Die Idee eines Amtes der Bundesregierung besteht in Österreich seit längerer Zeit. Sie findet sich auch im Arbeitsprogramm der Bundesregierung 2013 und hätte mit 1. Jänner 2016 den Betrieb aufnehmen sollen. Anstatt zügig zur Realisierung zu schreiten, prüfte man jedoch unter Einschaltung von Unternehmensberatern Alternativen ("Servicezentrum"). Von Verwaltungsinsidern ist zu hören, dass, wie bereits einige Male zuvor, das Vorhaben letztlich an "Ressortegoismen", also an einer Kombination von mangelndem politischen Willen und von Konkurrenzdenken zwischen Beamtenapparaten, scheiterte. Das Vorhaben blieb wohl auch deshalb kraftlos, weil keine Vision dahintersteckte, weil es letztlich um Rationalisierungen und Einsparungen im Ressourcenmanagement ging und nicht um die Kreation einer neuen Qualität. Im nunmehr präsentierten Update des Arbeitsprogramms ist nichts mehr von einem Amt der Bundesregierung zu lesen.

Gemeinsames Erkunden

Die österreichische Verwaltung bräuchte ein Zentrum des gemeinsamen Erkundens, Nachdenkens und Entwickelns, indem man jenseits der Hektik des Tagesgetriebes neugierig einen Diskurs führt:

Was kommt auf Österreich zu?

Was wissen wir über mögliche Zukunftsszenarien?

Welche Antworten haben wir darauf?

Welche müssen wir finden?

Was muss die Verwaltung
lernen?

Wie binden wir den privatwirtschaftlichen Sektor, den NGOs-Bereich und die Zivilgesellschaft in guter Form ein?

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass auch in Österreich im zeitlichen Zusammenhang mit der im Finanzsektor entstandenen Finanzkrise wirtschaftsnahe Thinktanks (Eco Austria, Agenda Austria) entstanden, die im öffentlichen Meinungsbildungsprozess eine wirksame Rolle spielen, hingegen der gesamte öffentliche Sektor über kein gemeinsames Gefäß des Nachdenkens und der Strategieentwicklung verfügt.

Es entspricht dem Ansatz von Public Governance, dass der Staat auch als Moderator gesellschaftlicher Prozesse aktiv ist. Voraussetzung hierzu ist, dass der Staat in der Lage ist, seine eigene Leistungserbringung, in der knowledge work, also Wissensarbeit, eine immer größere Rolle spielt, gut zu koordinieren. Als Arbeitstitel könnte durchaus "New Deal in der Verwaltung" dienen.