Wien. Das Bundesverwaltungsgericht sorgte vergangene Woche mit seiner Ablehnung einer dritten Piste am Flughafen Wien-Schwechat aus Umweltschutzgründen für eine Überraschung. Österreichs größter Flughafen will gegen den Bescheid vorgehen und sieht eine Belastung für den Wirtschafts- und Tourismusstandort. Schwechat ist nicht nur Österreichs mit Abstand größter, sondern auch wichtigster Flughafen. Eine dritte Piste ist sehr wichtig, aber nicht existenziell. Auch die anderen fünf österreichischen Flughäfen - im internationalen Vergleich unbedeutende Regionalflugplätze - haben mit unterschiedlichen Problemen zu kämpfen, wenngleich bei keinem Flughafen des Quintetts Salzburg, Innsbruck, Graz, Linz und Klagenfurt an den Bau einer weiteren Piste gedacht wird.

Wie groß der Unterschied zwischen Wien und den übrigen fünf ist, zeigt sich schon alleine an den Passagierzahlen. Den Wiener Flughafen benutzten im Vorjahr 23,4 Millionen Passagiere, eine neue Rekordzahl. Österreichs zweitgrößter Flughafen Salzburg kam 2016 auf 1,7 Millionen Passagiere, Innsbruck auf knapp über eine Million, Graz auf knapp unter eine Million. Linz mit etwas über 400.000 Passagieren und Klagenfurt mit nur mehr knapp 200.000 folgen mit deutlichem Abstand. Diese zwei Flugplätze sind auch die beiden Sorgenkinder unter Österreichs Flughäfen.

Tourismus als Kundenbringer

Laut dem internationalen Luftfahrtexperten Gerhard Stadler braucht ein Regionalflughafen drei Standbeine: den Touristenverkehr sowohl im ankommenden wie im abfliegenden Bereich sowie den Geschäftsflugverkehr. Salzburg und Innsbruck haben aufgrund ihrer geografischen Lage quasi einen natürlichen Vorteil und können sich auf viele Gäste im Wintertourismus verlassen.

Linz fehlt dieser Vorteil. Allein dieses Faktum kann aber nicht erklären, dass sich die jährliche Passagierzahl seit dem Rekordjahr 2008 von knapp über 800.000 fast halbiert hat. Linz machten in den vergangenen zehn Jahren vor allem zwei Entwicklungen zu schaffen: Einerseits fährt mittlerweile der ÖBB Railjet von Linz direkt zum Wiener Flughafen. Die Fahrzeit hat sich dadurch auf etwas mehr als eineinhalb Stunden verkürzt. "Dazu ist man mit dem Auto von Linz aus auf einer schwach befahrenen Autobahn in zweieinhalb Stunden am Flughafen München. Dadurch ist der Geschäftsreiseverkehr in große Schwierigkeiten gekommen", erklärt Stadler.

Dazu - das betrifft alle Regionalflughäfen - hat die verschlechterte Sicherheitslage in der Türkei und in Nordafrika den Bereich des ausgehenden Touristenverkehrs stark beeinträchtigt. "Das war ein gewaltiger Schlag", bestätigt auch Gerhard Kunesch, Geschäftsführer des Linzer Flughafens. "Wir haben gemeinsam mit den Reiseveranstaltern, die auf Oberösterreich bauen, gekämpft. Beim ausgehenden Charter sind wir die stärkste regionale Macht. Bis auf eine Destination haben wir alle behalten können. Auch die Frequenzen haben wir weitestgehend stabil gehalten", erklärt Kunesch.

Die Passagierzahlen sprechen freilich eine deutliche Sprache. Immerhin macht sich der Einbruch finanziell nicht so stark bemerkbar. Der Umsatz wird 2016 rund um 26 Millionen Euro liegen, 2015 lag er bei 27,2 Millionen Euro. Die beiden Eigentümer Land Oberösterreich und Stadt Linz dürfen sich über ein Plus freuen. Kunesch erwartet eine "schöne positive Ergebniszahl".

Aber auch der Manager weiß, dass sich etwas tun muss, um den Flughafen langfristig abzusichern. Vor allem beim ankommenden Tourismus sieht Kunesch Chancen, dort besteht aber auch großer Handlungsbedarf. Den Vorteil, eine klassische Winterdestination zu sein, habe man nicht, sagt Kunesch. "Unser Problem ist, dass wir nirgends die Besten sind. Wir haben von allem ein bisschen was, ein Bauchladen. Das ist international schwer vermarktbar. Wir haben Ski mit Hinterstoder und der Wurzeralm, dazu das Salzkammergut, das aber vom Namen her an Salzburg erinnert, und die Donau."

Potenzial Donauschifffahrt

Auf die Donau will sich der Linzer Flughafen nun konzentrieren, vor allem auf den Bereich der Flusskreuzfahrten. "Das ist ein Alleinstellungsmerkmal für Oberösterreich. Die Donau hat den größten Flussschifffahrtsmarkt der Welt. Da gibt es viel Potenzial. Die Reedereien sagen, wir brauchen neue Produkte. Es gibt schon jetzt die Kombination Flug und Schiff", erzählt Kunesch. Dabei fahren die Touristen mit dem Schiff in eine Richtung und fliegen dann an ihren Abfahrtsort zurück.

Den neuen Schwerpunkt hat Linz schon im Namen stehen. Der Flughafen heißt seit mehr als zehn Jahren "blue danube airport". "Von Linz aus kann man mit dem Schiff nach Amsterdam, nach Frankfurt, nach Basel oder ans Schwarze Meer fahren. Das ist ein Pflänzchen und eine Chance, von der wir glauben, dass sie sich in den nächsten Jahren positiv entwickelt", sagt Kunesch. Er stellt aber auch klar, dass die Entwicklung in diesem Bereich klare Grenzen hat: "Wir werden bei den Passagieren nie in die Nähe von Salzburg oder Innsbruck kommen." Immerhin hat der Linzer Flughafen ansonsten keine großen Baustellen, der Finanzierungsbedarf ist für die kommenden Jahre überschaubar.