Auf dem Marktplatz von Kommunalnet können Gemeinden alles anbieten, was sie nicht mehr brauchen. - © fotolia/Luftbildfotograf
Auf dem Marktplatz von Kommunalnet können Gemeinden alles anbieten, was sie nicht mehr brauchen. - © fotolia/Luftbildfotograf

Es ist eine blank geputzte Glashaube mit Scharnieren an der Oberseite, eingelassen in einen oben offenen Holzkasten. An der Vorderseite hängt ein bescheidenes Holzkreuz und am Sockel ist ein kleiner, roter Kippschalter befestigt: Auf den ersten Blick hat die Vitrine nichts Besonderes an sich, die bisherige Verwendung würde man vielleicht zunächst gar nicht erraten.

Es handelt sich um eine Aufbahrungskühlvitrine für Leichen. Genau diese will die kleine oberösterreichische Gemeinde Aichkirchen nun auf einer Online-Börse verkaufen. Seit 1989 hat die Vitrine, die laut Hersteller "müheloses Einbringen des Verstorbenen" ermöglicht und eine "automatische Abtaueinrichtung zur Tropfwasser-Verdunstung serienmäßig" aufweist, der Gemeinde gute Dienste geleistet. Vor allem in den warmen Monaten war das Gerät wichtig, um die Verstorbenen bis zum Begräbnis kühlen zu können, wie Amtsleiter Hannes Pupeter erzählt.

Heute aber hat das örtliche Bestattungsunternehmen selbst einen geräumigen Kühlraum und die Vitrine wurde obsolet. Für die Aichkirchner stellte sich eine Frage, die sich für Ortschaften häufig stellt: Was macht man mit nicht mehr benötigten kommunalen Gütern? Aichkirchen beschloss, die Vitrine, die nun schon einige Zeit ungebraucht herumstand, zu verkaufen.

Verkauf nach Modernisierung

Was zur nächsten Frage führt: Wo und wem bietet man so etwas an? "Es ist sicher etwas, das man nicht alle Tage verkauft, und deswegen kann man es nicht einfach auf willhaben.at hineinstellen", erklärt Amtsleiter Pupeter. Daher bietet Aichkirchen die Kühlvitrine jetzt um 900 Euro auf einem eigens für Gemeinden geschaffenen Marktplatz bei Kommunalnet an, dem Informationsportal für die österreichischen Gemeinden.

Haben Gemeinden keinen Bedarf mehr an Kühlvitrinen, Kehrfahrzeugen oder Flutlichtanlagen, muss man sich etwas überlegen. Auch nach Renovierungen oder Schließungen von Schulen sowie nach der Anschaffung modernerer Geräte versuchen Gemeinden, Güter, die noch gebrauchsfähig sind, weiterzugeben.

Auf dem "Marktplatz" von Kommunalnet, aber auch auf herkömmlichen Verkaufsportalen, auf denen etwa Löschfahrzeuge feilgeboten werden, funktioniert der Ver- und Ankauf von Gemeindeeigentum praktisch gleich wie unter Privaten: Ein, zwei rasche Fotos vom Produkt, eine kurze Beschreibung und ein Preis werden online gestellt und dann heißt es abwarten. Durch den breiten Aufgabenbereich, den Gemeinden abdecken, sei es aber nicht einfach, die oft sehr speziellen Produkte weiterzuveräußern, erklärt Daniel Kosak, Sprecher des österreichischen Gemeindebundes.

Die vom Verband geschaffene Börse etwa besteht schon seit mehreren Jahren, brauchte aber einige Zeit, um in Fahrt zu kommen. "Das hängt natürlich mit der kritischen Masse zusammen, die es braucht, bis so etwas gut läuft", sagt Kosak.

Oftmals sind es Investitionen, die nur vorübergehend benötigt werden, zum Beispiel temporäre Container in Schulen oder Kindergärten. Manch anderes liegt bei Gemeinden eine Zeit lang im Trend, wird aber nach einigen Jahren wieder verkauft. Skateparks seien genauso ein Fall, wie Kosak erzählt. So steht zurzeit eine Halfpipe zum Verkauf, und im vergangenen Jahr wurde eine Skateanlage aus dem Bezirk Melk ins Burgenland verkauft. "Da muss man sich dann auch die Frage stellen: Wie kommt ein Skatepark oder ein Containerkindergarten von Kärnten nach Oberösterreich?", sagt Kosak.

Tatsächlich funktioniere der Transport dann aber oft sehr pragmatisch. "Die Gemeinden sind recht einfallsreich, was das anlangt", sagt Kosak, seines Zeichens selbst Vizebürgermeister in der niederösterreichischen Gemeinde Altlengbach und dort für Schulen zuständig. Als er für die örtliche Schule Garderobenschränke suchte, wurde er in der Steiermark fündig, wo ein Gymnasium wegen einer Generalsanierung einen großen Teil der Einrichtung austauschen musste. Kurzerhand organisierte Kosak einen Tieflader, der die Schränke aus der Steiermark nach Niederösterreich brachte.

Ähnlich wie die Aichkirchner Aufbahrungsvitrine sind viele der verkauften Gegenstände Zeichen der Modernisierung. Die Gemeinde Opponitz im Bezirk Amstetten versucht etwa seit einigen Monaten, eine Feuerwehrsirene zu verkaufen. Nach der Sanierung des örtlichen Feuerwehrhauses wurde auch die Sirene ausgemustert.

Auch für Sammler interessant

Es wird aber wohl noch einige Zeit dauern, bis die graue, pilzförmige Anlange einen neuen Besitzer findet. Die Sirene steht auf mehreren Plattformen online, schließlich sei diese mittlerweile wohl weniger für andere Gemeinden von Interesse als eher für Sammler oder Museen, wie eine Mitarbeiterin erklärt.

Einen großen Teil der Angebote macht auch das Inventar von Schulen aus. Ist der Erfolg oder die Notwendigkeit des Marktplatzes also vielleicht auf Schließungen und das Schrumpfen von Gemeinden zurückzuführen? Daniel Kosak vom Gemeindebund glaubt das nicht. "Es gibt natürlich Material aus geschlossenen Schulen, aber in der Regel stehen dort unserer Erfahrung nach oft größere Umbauten bevor."