Wien. (sir) Für Bankkunden, und vor allem solche, die gerne und häufig auch in Banken hineingehen, um dort ihre Geschäfte mit dem Bankberater ihres Vertrauens besprechen, sieht die Zukunft nicht gerade rosig aus. Die Zahl der Bankfilialen wird in den kommenden Jahren sukzessive reduziert werden, darin sind sich die Branchenexperten einig.

Aber nicht nur Filialen sind von der Digitalisierung betroffen, da immer mehr Bankgeschäfte online getätigt werden. Auch das Bargeld kommt unter Druck, wenn öfter die Karte statt dem Schein gezückt wird oder gleich via Bezahl-Portale wie PayPal im Internet eingekauft wird.

Strukturwandel wie dieser schlagen sich besonders schnell im ländlichen Raum nieder. Für Banken sind heute Bankomaten gerade in den peripheren Gebieten vielfach ein Verlustgeschäft. Sie müssen gewartet, befüllt, regelmäßig upgedatet und umgerüstet werden. Nicht zuletzt deshalb überlassen heimische Institute dieses Service daher zunehmend Anbietern aus dem Ausland.

Diese aber sind nur bereit, die Bankomaten zu betreiben, wenn es einen entsprechenden Umsatz gibt. Das wiederum ist in sehr kleinen Gemeinden nur selten der Fall. Bei zu wenigen Abhebungen muss die Gemeinde deshalb Geld zuschießen.

Das Ö1-"Morgenjournal" berichtete am Dienstag von der 1300-Einwohner-Gemeinde Sankt Peter im Sulmtal in der Steiermark, wo Ende der 1990er Jahre die Raiffeisenfiliale zugesperrt hat. Einen Bankomaten gibt es dort erst seit drei Jahren wieder, betrieben wird er von der US-Firma First Data.

Diese verlangt eine Mindestanzahl von 2000 Geldabhebungen. Die Gemeindebewohner schaffen aber nur knapp die Hälfte. Für jede fehlende Behebung zahlt die Gemeinde deshalb 40 Cent drauf. "Für das Jahr 2015 haben wir, glaube ich, 5000 Euro bezahlt", sagt Bürgermeisterin Maria Skazel auf Ö1.

First Data betreibt in Österreich mehr als 1200 Bankomaten. Gemeinsam mit einer weiteren US-Firma, Euronet, wird mittlerweile jeder siebente Bankomat von einem Drittanbieter betrieben. Euronet ist kürzlich wegen der Bankomatgebühren ins Gerede geraten: Der Anbieter verlangt seit Sommer an seinen rund 80 Automaten eine Gebühr von 1,95 Euro.

Versorgungsauftrag
für Banken?

Helmut Mödlhammer, Präsident des Gemeindebundes, sieht es nicht ein, dass Gemeinden für ihren Bankomaten in den Steuertopf greifen müssen. Banken haben in seinen Augen einen Versorgungsauftrag auch im ländlichen Raum. "Es kann nicht so sein, dass das große Geschäft nur in den Ballungsräumen stattfindet und der ländliche Raum vernachlässigt wird", so Mödlhammer im ORF-Radio. Von Bankenseite wird darauf verwiesen, dass sich Filialen und Bankomaten auch rechnen müssen.

Mödlhammers Lösungsansatz: Er will bei der Vergabe von Geldleistungen die Nahversorgung als Kriterium hineinnehmen. Bei der Ausschreibung für Kredite oder Anlagen sollen also jene Geldhäuser bevorzugt werden, die einen Bankomaten im Ort lassen. Sie sollen "Pluspunkte" erhalten.