Integration ist ein großes Wort, das viele rasch in den Mund nehmen. Die zu uns Geflüchteten müssten mehr dazu beitragen, sagen die einen. Es liege an den Österreicherinnen und Österreichern selbst, sich richtig um sie zu kümmern, damit alle profitieren, sagen die anderen.

Wie man es auch dreht und wendet: Integration passiert vor allem im Kleinen und kann nicht mit einer Hau-Ruck-Aktion von oben verordnet werden. Damit sie gelingt, müssen alle mithelfen. Besonders die Verantwortlichen in Ländern und Gemeinden, wo in den Mühen der Ebene Politik auf die Realität trifft. Wo sich Menschen begegnen - und einander in die Augen sehen oder voneinander abwenden. Vor allem sollten wir einmal reden!

Vom verpflichtenden Arbeitstraining für Asylberechtigte, subsidiär Schutzberechtigte und Asylwerber mit guten Chancen, bleiben zu dürfen, wie es die Regierung in ihr überarbeitetes Arbeitsprogramm geschrieben hat, hat das Rote Kreuz aus den Medien erfahren. Und das, obwohl es als größter Zivildienstträger Österreichs laut Gesetzesentwurf tausende Plätze dafür bereitstellen soll.

Noch viele Fragen offen

- © ÖRK/Kellner Thomas Holly
© ÖRK/Kellner Thomas Holly

Verpflichten kann uns dazu niemand. Aber das Rote Kreuz versteht sich in Sachen Integration als verlässlicher Partner. Wir machen mit, weil die Idee, Migranten möglichst früh in den Arbeitsmarkt zu integrieren, sehr sinnvoll ist und übrigens auch zu jenen Maßnahmen gehört, die das Rote Kreuz schon lange fordert. In der Umsetzung sind aber noch viele Fragen offen, die es jetzt rasch zu klären gilt. Damit wir Integration auf den Boden bringen, ohne die Realität und die Menschlichkeit aus den Augen zu verlieren. Das wird nur in einem breiten Ansatz gelingen, der auch die Kommunen umfasst.

Arbeit ist der Integrationsmotor Nummer eins. Deutschkurse und arbeitsmarktpolitische Förderungsmaßnahmen im Rahmen eines Integrationsjahres sind daher eine vernünftige Idee. Dass Asylberechtigte mit ihrer Arbeit abzüglich von Sozialtransfers einen positiven Beitrag für die Volkswirtschaft leisten, hat eine vor kurzem veröffentlichte Studie von Joanneum Research auch gezeigt, die das Rote Kreuz und die Caritas initiiert haben.

Arbeitstrainings sind sinnvoll. Aber von wie vielen Menschen reden wir? Wenn die Zielgruppe rund 15.000 Personen umfasst und davon etwa ein Drittel beim Roten Kreuz arbeiten soll, wäre das eine glatte Verdopplung der Zahl von 5000 Zivildienern, die derzeit bei uns tätig sind. Jemand muss diese Leute einschulen, ausrüsten, coachen und begleiten. Das ist ein erheblicher Aufwand, der Kosten verursacht. Diese Kosten müssten natürlich entsprechend ersetzt werden.