Sonja Ottenbacher ist seit 12 Jahren Stuhlfeldens Bürgermeisterin. - © Arne Müseler
Sonja Ottenbacher ist seit 12 Jahren Stuhlfeldens Bürgermeisterin. - © Arne Müseler

Stuhlfelden. Männer sind sensibel. Das lernt man schnell, wenn man mit den Bewohnerinnen von Stuhlfelden spricht. Hier im Oberpinzgau, im Salzburger Land, unmittelbar vor der Tiroler Grenze, haben die Frauen gelernt, sachte mit dem anderen Geschlecht umzugehen. Schon von ihren Müttern und Großmüttern wissen sie: das männliche Ego ist ein zartes Pflänzchen. Besonders empfindlich ist es in der Anwesenheit Dritter. In den eigenen vier Wänden kann es durchaus resistent sein und erträgt so manch emanzipierten Handgriff. In der Öffentlichkeit hingegen wird es rasch zur Mimose. Fasst man es zu ruppig an, geht es da ein. Ist schnell gekränkt. Und fühlt sich minderwertig. Den daraus resultierenden Komplex müssen dann alle anderen ausbaden. Deswegen gilt es mit der weiblichen Dominanz hauszuhalten. Schließlich geht es um das Wohl aller.

Sonja Ottenbacher kennt diese besondere Botanik. Muss sie auch. Als Bürgermeisterin von Stuhlfelden ist sie in ihre Funktion laufend damit konfrontiert. Ottenbacher gehört zu einer raren Spezies. 157 Frauen stehen Österreichs 2100 Gemeinden vor. Das sind gerade einmal 7,5 Prozent. Im Bundesland Salzburg ist die gläserne Decke in den Gemeindeämtern – abgesehen von Wien - mit insgesamt vier Bürgermeisterinnen am Dicksten.

Sonja Ottenbacher hier zählt zu den Pionierinnen. 2004 wurde die ÖVP-Politikerin und zwei Parteikolleginnen aus den Gemeinden Leogang und Lofer zu den ersten Bürgermeisterinnen Salzburgs gewählt. Stolz war das Land auf die drei Frauen. Jetzt hatte man mit Gabi Burgstaller (SPÖ) nicht nur die erste Landeshauptfrau, sondern auch auf Kommunalebene den Altherrenklub ein bisschen aufgemischt. Eine Sensation.

Sonja Ottenbacher weiß um ihren Einhorn-Status. Und sie hat gelernt, wie sie ihn zu leben hat. Sehr subtil. 12 Jahre im Amt haben die zierliche Frau mit dem breiten Lächeln zum Profi in Sachen männlicher Befindlichkeit gemacht. "Es ist nicht gut für die Frauenpolitik, wenn man die ganze Zeit nach mehr Akzeptanz bettelt. Wir müssen die Gleichberechtigung mit einem Selbstverständnis leben. Ich komme ja gar nicht darauf, dass ich darum bettele, dass mich andere als gleichberechtigt sehen. Für mich ist das von Anfang so", sagt die 56-Jährige, "Alles andere ist ein Herabmachen der Frauen. Das brauchen wir nicht."

Allein unter Männern. Ottenbacher am Gruppenbild der Freiwilligen Feuerwehr. - © Arne Müseler
Allein unter Männern. Ottenbacher am Gruppenbild der Freiwilligen Feuerwehr. - © Arne Müseler

Mit Krabbeldecke zur Sitzung