Graz. Eigentlich hatte Freiherr Damian von Schütz-Holzhausen alles für die große Reise vorbereitet. Das Schiff wartete darauf, in See zu stechen, Mitte des 19. Jahrhunderts sollte es von Europa nach Südamerika segeln, um deutschen Auswanderern eine neue Heimat zu bieten. In einer Siedlung am Amazonas sollte Ackerbau betrieben werden. Allerdings fehlten dem Freiherrn noch Begleiter, das 300 Menschen fassende Boot war noch nicht voll. So nahm Schütz-Holzhausen Kontakt mit dem nahen Tirol auf. Und fand rund um Kaplan Josef Egg ein paar gleichgesinnte Österreicher, die sich auf das Abenteuer einließen.

Weil die Tiroler Auswanderer den Kontakt mit der alten Heimat stets hochhielten, sorgt das Tiroler Örtchen Silz dafür, dass heute unter den vielen Städtepartnerschaften der österreichischen Gemeinden sogar Peru auftaucht. Pozuzo heißt die Partnergemeinde, die aufgrund der Auswanderer ohnehin so etwas wie eine österreichische Enklave auf lateinamerikanischem Boden darstellt.

Es sind Geschichten wie diese, die hinter Städte- und Gemeindepartnerschaften stehen. Aber es gibt auch andere Erzählungen und Beweggründe. Fast jede größere sowie viele kleine Gemeinden unterhalten Partnerschaften. Meist mit europäischen Kommunen, zum Teil gar nur ins benachbarte Bundesland. Während bei den einen Gemeindesekretäre nicht mehr zu berichten wissen, als dass Partnerschaften dereinst von einem Bürgermeister unterzeichnet wurden, halten andere Gemeinden viel vom überregionalen Austausch. Die EU unterstützt Partnerschaften innerhalb der Union - auch finanziell. Der Beziehungsstatus der österreichischen Gemeinden reicht von entsagend bis polygam. So hat Judenburg in der Steiermark als Mitglied der Douzelage-Vereinigung gar einen Partner in jedem europäischen Mitgliedsland. Naturgemäß sind es aktuell (noch) 28. Das kleine südenglische Städtchen Sherborne wird sich wohl bald verabschieden. 19 Partner- und vier Freundschaftsstädte zählt die Stadt Linz. Wobei eine Freundschaftsstadt sich von einer Partnerschaftsstadt - fast katholisch anmutend - durch den Vollzugsakt, der Unterzeichnung eines Vertrags, unterscheidet.

Im Prinzip kann man von beiderlei Beziehung Ähnliches erwarten. Das weiß auch Andrea Pospischek. Sie ist im Büro der Linzer Stadtregierung die Beauftragte für Städteliaisons. Und stets darum bemüht, den Kontakt mit den Partnern und Freunden aus aller Welt aufrechtzuerhalten. "Wir kommunizieren viel und treffen uns auch oft persönlich. Es geht um wirtschaftliche, kulturelle und soziale Projekte. Auch Schüleraustausch ist ein wichtiger Anker." Aber wie das mit Fernbeziehungen eben ist, sind sie auch auf Gebietskörperschaftsebene alles andere als Selbstläufer. "Es ist immer eine Frage, ob und wie die Partnerschaften gelebt werden."

Städtepartnerschaften im heutigen Sinn formierten sich in Österreich vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg - die Unterzeichnung eines Vertrags folgte häufig erst später. Linz verpartnerte sich im Jahr 1975 offiziell mit Halle an der Saale in Deutschland. Üblicherweise werden solche Verträge mit einer Zeremonie der beiden Bürgermeister besiegelt. "Beim Vertrag mit Halle an der Saale ging es vor allem darum, einen Beitrag zum Frieden und zur Völkerfreundschaft zu leisten. Es sollte für die Bürger eine Möglichkeit des Dialogs über gesellschaftliche Grenzen hinweg möglich werden", erklärt Pospischek.

Jüngere Linzer Städtepartnerschaften haben zum Teil einfach nur ökonomische Gründe. Seit 1991 ist das südkoreanische Gwangyang Partner der oberösterreichischen Landeshauptstadt. Grund dafür war das Geschäftsinteresse der Voest-Alpine, die in Südkorea ein Werk bauen ließ. "Die Partnerschaft war ein Zeichen dafür, dass auch die Politik hinter dieser Expansion steht", sagt Posposchek.

Transfer von Know-how

Aber nicht alles dreht sich um wirtschaftliche Interessen. An die Freundschaftsstadt Dodoma in Tansania gibt Linz Know-how in der kommunalen Daseinsvorsorge weiter - vor allem im Bereich der Feuerwehren. Und die Partnerschaft zu San Carlos in Nicaragua entstand aus humanitären Gründen. Schließlich liegt die Arbeitslosenrate in der zentralamerikanischen Gemeinde bei 60 bis 80 Prozent und außerdem herrscht ein großes Problem mit der Trinkwasserversorgung. Was auf Kommunalebene begann, wird mittlerweile zusätzlich sogar in einem ehrenamtlichen Verein gefördert.

Im Westen Österreichs, in Schwaz, um genau zu sein, ist man sogar noch einen Schritt weiter. Dort hat sich der "Verein für Städtepartnerschaften von Schwaz" formiert, der von Walter Egger geleitet wird. Egger ist ÖVP-Gemeinderat im Ort und mit seiner bereits 34 Jahre andauernden Tätigkeit als Mandatar ganz nebenbei der am längsten dienende Gemeinderat Österreichs. Sein Verein wurde im Jahr 2000 über das Referat für äußere Beziehungen gegründet und dient der Förderung der sieben bestehenden Beziehungen. Sechs Partnerschaften und eine Freundschaft zählt die Tiroler Stadt, die sich dereinst im Bergbau einen Namen gemacht hat. "Schwaz war dank des Silberabbaus im 14. Jahrhundert nach Wien der zweitgrößte Ort Österreichs", sagt Egger.