Der Klimawandel ist längst in Österreichs Gemeinden angekommen. Lokale Starkniederschläge, Trockenheit und andere Auswirkungen des Klimawandels nehmen zu und verursachen Schäden und Kosten. Zusätzlich zum Klimaschutz, zu dem Klima- und Energiemodellregionen und Klimabündnis-Gemeinden bereits heute viel beitragen, sind daher Strategien zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels gefragt.

Die einzelnen Maßnahmen können dabei je nach Region ganz unterschiedlich ausfallen. So sind im pannonischen Flachland, in dem in den kommenden Jahrzehnten Hitze und Trockenheit zunehmen werden, andere Lösungen gefragt als in den alpinen Regionen, in denen das Risiko von Naturgefahren steigt. Wie sich Gemeinden diesen Herausforderungen stellen und wie sie sich auf den Klimawandel vorbereiten können, zeigen Vorbilder aus ganz Österreich.

In der burgenländischen Freistadt Rust kommt es immer wieder zu Flur- und Schilfbränden, die durch die klimabedingte Häufung von Hitze- und Trockenperioden in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten zunahmen. Um sich dem verändernden Klima anzupassen, erarbeitete die Ruster Stadtverwaltung gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Stadtfeuerwehr einen digitalen Löschwasserplan. Die Feuerwehr kann dadurch Informationen über das Wasserleitungsnetz, die Standorte der Hydranten oder brandgefährdete Objekte einfach und schnell online abrufen und so ihre Einsätze optimieren. Mittlerweile liegen für alle burgenländischen Gemeinden digitale Löschwasserpläne vor, die in Zusammenarbeit von Land, Gemeinden, Landessicherheitszentrale, Landesfeuerwehrverband, der Energie Burgenland und den Wasserversorgungsunternehmen entwickelt wurden.

Die Vorarlberger Gemeinde Lustenau ist von ganz anderen Auswirkungen des Klimawandels betroffen. In der bevölkerungsreichsten Marktgemeinde Österreichs nehmen Starkregenereignisse an Häufigkeit und Intensität zu. Damit steigt trotz vorhandener Schutzmaßnahmen die Hochwassergefahr.

Daher startete Lustenau eine Informationsoffensive und machte diese klimabedingten Änderungen zum Thema. In einem ersten Schritt beriefen die Gemeindevertreter im Jahr 2015 eine Sicherheitsenquete für Hochwasser- und Katastrophenschutz ein und informierten über das richtige Verhalten im Notfall.

Beide Orte, sowohl Rust als auch Lustenau, sind gute Beispiele dafür, wie unterschiedlich Anpassungsmaßnahmen ausfallen können. Gemeinsam ist diesen Beispielen, dass der Umgang mit dem Klimawandel auf die Bedürfnisse der Region zugeschnitten ist, um klimabedingten Gefahren vorzubeugen und potenzielle Chancen zu nutzen.

Anpassung ist ein Lösungsweg

Gemeinden und Regionen sind sowohl im Klimaschutz als auch bei der Klimawandelanpassung wichtige Handlungsträger, da sie für viele klimarelevante Aufgaben zuständig sind. Dazu zählen das Bauwesen, die örtliche Raumplanung, die Wasserversorgung und -entsorgung, der Katastrophenschutz oder die Errichtung und Erhaltung der Gemeindestraßen. Maßnahmen zur Klimawandelanpassung können in all diesen Zuständigkeitsbereichen gesetzt beziehungsweise notwendig werden. Zudem kennen die Gemeinden die wichtigsten Herausforderungen und Chancen des Klimawandels für ihre Region am besten, sind nahe an den Bürgerinnen und Bürgern und können so regionalspezifische Antworten finden und maßgeschneiderte Lösungen umsetzen.

Auf nationaler Ebene wurde in Österreich eine Anpassungsstrategie entwickelt, die konkrete Handlungsempfehlungen zum Umgang mit den Klimawandelfolgen enthält. In den vergangenen Jahren haben auch die Bundesländer begonnen, eigene Anpassungsstrategien zu entwickeln oder in anderen Programmen mitzudenken.

In Oberösterreich, Steiermark und Vorarlberg liegen Strategien für das Thema Klimawandelanpassung vor, Tirol verfügt über eine integrierte Anpassungs- und Klimaschutz-Strategie, Niederösterreich und Wien haben Maßnahmen zur Anpassung in bestehende Klimaschutz-Strategien aufgenommen. Die Landesregierungen von Salzburg und Kärnten wiederum haben die Erstellung eines Maßnahmenprogramms zur Anpassung in ihrem aktuellen Regierungsprogramm verankert. Im Burgenland sind Anpassungsmaßnahmen direkt in anderen sektoralen Programmen und Strategien integriert.

In der Praxis stehen Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie andere Verantwortliche vor der Herausforderung, diese Aufgaben auf Gemeindeebene zu lösen. Doch wie können überregionale Handlungsempfehlungen vor Ort angewandt werden? Welche Maßnahmen zum Umgang mit Klimawandelfolgen sind sinnvoll und notwendig? Und wie gelingt die Umsetzung? Im ersten Schritt müssen Bereiche identifiziert werden, die von den Folgen des Klimawandels betroffen sind. Sind die wichtigsten Klimarisiken für die Gemeinde ermittelt, geht es an die Maßnahmenentwicklung und -umsetzung.

In Wolfsberg in Kärnten etwa liegt der Schwerpunkt auf der Sicherung der Trinkwasserversorgung, im niederösterreichischen Ober-Grafendorf setzt die Gemeinde ein neues Straßenkonzept um: Bei der Ökostraße wird das Regenwasser von Siedlungsstraßen nicht in den örtlichen Kanal abgeleitet, sondern in angrenzende Grünflächen eingeleitet und zur Bewässerung genutzt. Im Bergsteigerdorf Grünau im Almtal setzt man auf sanften Tourismus und in Zell am See ermutigt die Gemeinde zu nachhaltigem und zukunftsweisendem Bauen.