Ein Video auf Facebook zeigt den Traiskirchner Bürgermeister Andreas Babler bei einem Kindergartenbesuch. Er liest in der Leseecke aus einem Märchenbuch vor. Auf Fotos auf Twitter sieht man ihn mit orangener Warnweste umringt von Feuerwehrleuten, Schulkindern und jungen Flüchtenden am Gemeindeputztag. "Ein Symbol des solidarischen Miteinanders in Traiskirchen", heißt es. Es sind Bilder, wie man sie auch aus Regionalmedien kennt.

Die Entwicklung geht weg vom klassischen Medienkonsum und hin zu sozialen Medien - wie sich die Kommunikationskultur insgesamt verändert, so verändert sie sich auch im Kleinen, in der Kommunalpolitik. Und zwar hin zu einer stark persönlichkeitsgetriebenen Darstellung auf den diversen sozialen Netzwerken, wo mittlerweile nicht nur Kanzler und Minister mit ihren Social-Media-Verantwortlichen eigene Seiten haben, sondern auch Gemeinderäte und Bürgermeister diese Angebote nun vermehrt nutzen.

Der Ortschef von Ardagger, Johannes Pressl, betreibt zusätzlich auch einen Blog. Im aktuellsten Eintrag gratuliert er zu einem 80. Geburtstag und dankt dem Jubilar "Lois", der "ein Mann der Hilfsbereitschaft und der Tat" sei. Üblicherweise liest man auch solche Glückwünsche samt dem obligatorischen Geschenkkorb-Foto in der lokalen Zeitung.

Doch die Zeiten, in denen Gemeindepolitiker ausschließlich via Print ihre Botschaften anbringen, sind vorbei. Längst graben sie sich zumindest parallel selbst ihre Kanäle zu den potenziellen Wählern. Laut einer aktuellen Erhebung im Rahmen einer Masterarbeit an der Universität Wien ("Clevere Gemeinde - Neue Medien in der Gemeindearbeit") besaßen im Oktober des Vorjahres 134 der 573 niederösterreichischen Gemeinden einen eigenen Facebook-Auftritt.

Mit 3,7 Millionen registrierten persönlichen Profilen in Österreich ist Facebook das am meisten verbreitete soziale Medium. Den Gemeinden dient es als weitere Alternative zur Gemeindezeitung und der Website. Oft gibt es zusätzlich einen elektronischen Newsletter. Auf die Gemeindezeitungen hat die Präsenz in den sozialen Medien (noch) keine Auswirkungen, wohl aber auf externe Medien, wie die Bezirksblätter, die ihrerseits mit sogenanntem "user-generated content" nachziehen, also Inhalten, die von den Nutzerinnen und Nutzern selbst erstellt werden ("Regionauten"). Die "Niederösterreichischen Nachrichten" (NÖN) haben zudem deutliche Einbußen hinnehmen müssen. Die Österreichische Auflagenkontrolle (ÖAK) zeigt, dass sich deren Auflage von 180.000 Stück im zweiten Halbjahr 2014 auf 145.000 Stück im zweiten Halbjahr 2015 stark reduziert hat.