Wien. Es ist einerseits logisch, anderseits aber doch kurios. In Wien, Graz oder Linz, also den urbanen Zentren des Landes, ist es in der Regel sehr einfach, regionale Lebensmittel direkt von Bauern zu beziehen. In der Hauptstadt gibt es nach wie vor rund ein Dutzend Wochenmärkte, die am Freitag und/oder Samstag das Angebot der fixen Marktstände um Direktvermarktung erweitern. Das war vor 100 Jahren bereits so und hat sich bis heute gehalten.

Die Supermarktisierung des Lebensmittelhandels hat zwar ihre Spuren hinterlassen, doch die Nachfrage nach regionalen Produkten steigt seit Jahren wieder beständig, und das lässt auch die Märkte in den zentralen Orten wieder aufleben. Ausgerechnet in jenen Regionen aber, aus denen die Produkte stammen, ist es oftmals weit schwieriger, den Bedarf an Lebensmitteln aus Direktvermarktung zu decken. Zumindest in einigen Regionen.

Diese Erfahrung hat auch Markus Reifinger gemacht. Reifinger arbeitet in der Forstwirtschaft bei Schärding und ist auch selbst Landwirt. Und Konsument natürlich. "Man hat ja selbst ein Kaufverhalten. Ich arbeite bis 18 Uhr, Wochenmärkte sind aber vormittags, sie sprechen also Altersgruppen an, die dann Zeit haben." Das ist freilich nur ein Faktor, illustriert aber eine der momentanen Schwierigkeiten, warum Angebot und Nachfrage nicht so wirklich zueinanderfinden. Reifinger sagt: "Der Wunsch nach regionalen Lebensmitteln steigt schon enorm."

In ländlichen Regionen haben Wochenmärkte zwar nie eine Rolle gespielt, sie waren ja auch nicht notwendig. Mit dem steten Rückgang der bäuerlichen Struktur haben aber irgendwann örtliche Greißler gewisse Vertriebsaufgaben für Frischprodukte aus der Umgebung übernommen, etwa für Eier oder Gemüse.

Der Strukturwandel im Lebensmittelhandel, das fortgesetzte Höfesterben sowie auch die Zunahme an Verordnungen und Bürokratie für die Bauern haben der direkten Vermarktung (beziehungsweise jener mit nur einem Intermediär) zugesetzt. Und das trägt eben dazu bei, dass mitunter in ländlichen Regionen der Zugang zu regionalen, frischen Produkten schwieriger ist als in den urbanen Zentren des Landes.

Die Situation war für Reifinger Ausgangspunkt für eine Idee, die er gemeinsam mit weiteren Jungbauern im Rahmen eines Ausbildungsprogramms des Bauernbundes entwickelte. In der Vorwoche wurde nun diese Idee bei einem österreichweiten Wettbewerb des Bauernbundes mit dem ersten Platz prämiert, 600 Projekte wurden dabei eingereicht.