Es ist schon einige Jahre her, da führte ein Bekannter von mir seinen deutschen Geschäftskollegen durch Wien. Beim Anblick des Heldenplatzes war dieser ganz begeistert, jedoch nicht wegen der historischen Gebäude. Er zeigte vielmehr auf die großen Rasenflächen und meinte, welch tolle Baulandpreise man mit denen erzielen könnte, als unbebaubare Grünflächen wären sie ja leider nichts wert. Wieso nichts wert? Welchen Wert haben eigentlich Grünflächen in Siedlungsgebieten?

Für allgemein nutzbare öffentliche Grünflächen gibt es keinen Markt und daher auch keinen so direkten Wertmesser, wie dies der Bodenpreis bei Baulandgrundstücken ist. Deshalb haben sie aber trotzdem ihren Wert, der zumeist gewaltig unterschätzt wird. Diese Flächen sind nicht nur nötig für die Erfüllung öffentlicher Aufgaben (wie bei Parkanlagen, Kinderspielplätzen, Sportplätzen, Friedhöfen), sie entfalten auch einen hohen ökonomischen Wert für die angrenzenden Siedlungsgebiete. Das Ausmaß der Grünflächen bestimmt erheblich die Attraktivität und Lebensqualität in Städten und damit auch den Wert von städtischen Immobilien und Grundstücken. Die Nähe zu Grünflächen ist - wie eine repräsentative Studie 2013 in 19 großen deutschen Städten gezeigt hat - für 77 Prozent der Bevölkerung bei der Wahl des Wohnortes wichtig oder sehr wichtig. Mitunter wird, wie eine etwas ältere Studie (2007) gezeigt hat, die Grünflächenausstattung sogar für wichtiger gehalten als das Angebot zur Kinderbetreuung.

Kaum jemand hält
Grünflächen für unwichtig

- © Simon Rosner
© Simon Rosner

Vergleicht man die vielen, auf Befragungen aufbauenden Studien im Gang der Zeit, so ist klar zu erkennen, dass die städtische Bevölkerung die Bedeutung von Grünflächen zunehmend höher bewertet. Inzwischen beträgt der Anteil jener, die Grünflächen für unwichtig ansehen, nur mehr ein Promille. Das Bedürfnis nach mehr Grünflächen hängt einerseits mit zunehmender baulicher Verdichtung der Siedlungsgebiete zusammen, andererseits aber auch mit neuen Trends wie urban gardening, bei der die Stadtbewohner kleinste Flächen für die Produktion von Obst und Gemüse nutzen.

Für die allgemeine Erholung in städtischen Gebieten kommt es nicht nur darauf an, wie viele Quadratmeter Grünflächen vorhanden sind, sondern vielmehr noch, wo sich diese befinden. Städtische Grünflächen sind umso wertvoller, je mehr Personen aus den umliegenden Wohnungen oder Arbeitsstätten diese Flächen in kurzer Zeit zu Fuß erreichen können. Das lässt sich direkt berechnen und ist eine wichtige Kennzahl für den Nutzwert dieser Flächen. Damit wird aber auch erkennbar, dass der Mangel an innerstädtischen Grünflächen nicht durch ein reiches Landschaftsangebot am Stadtrand ausgeglichen werden kann.