Grünflächen sind auch ein unverzichtbares Element der Stadtgestaltung. Was wäre das Schloss Schönbrunn ohne seinen Garten? Erst die davorliegenden freien Flächen bringen die repräsentative Architektur zur Wirkung. Und der "Postkartenblick" auf die Festung Hohensalzburg wird erst durch den Mirabellgarten möglich. Auch Grünflächen können Teil der Identität und Geschichte einer Stadt sein und müssen - wie etwa der Prater in Wien - dazu nicht unbedingt aufwendig gestaltet sein.

Straßen ohne Bäume haben dreifache Staubbelastung

Grünflächen in Städten können aber noch mehr, als nur der Erholung oder Gestaltung zu dienen. Ihre Wirkungen zur Verbesserung der Luftqualität ist verblüffend. Messungen in Frankfurt am Main haben gezeigt, dass die Staubbelastung der Luft an Verkehrsknotenpunkten 15 Mal so hoch war wie innerhalb großer Parkanlagen; baumfreie Straßen hatten die dreifache Staubbelastung wie Straßen mit Alleen. Die Vegetation (insbesondere bei Bäumen und dichtem Strauchwerk) besitzt durch das Blattwerk eine viel größere Oberfläche als die Grundfläche selbst und kann damit beträchtlich mehr Staub festhalten, der dann mit dem nächsten Regen abgespült wird. Die zitierten Werte stammen aus einer Publikation aus den 1960er Jahren. Damit soll verdeutlicht werden, dass die luftverbessernde Wirkung von Grünflächen schon sehr lange bekannt ist, aber in der Praxis viel zu wenig angewendet wird.

Auch nicht neu, aber lange Zeit unbeachtet geblieben ist das Wissen um die Beeinflussbarkeit des Stadtklimas durch Grünflächen. Im Vergleich zum umgebenden "frischeren" Freiland sind Städte deutlich wärmer, was die sommerliche Hitze verstärkt. Schon Beethoven flüchtete im Sommer aus dem Stadtgebiet von Wien in die "Sommerfrische" des Umlandes. Während die Vegetation Wasser verdunstet und damit die Lufttemperatur absenkt, speichern die Baumassen und Straßenbefestigungen die eingestrahlte Wärme und erhöhen die Lufttemperatur.

Der Einsatz von Grünflächen und Wasserflächen zur lokalen Temperaturabsenkung ist bereits lange bekannt, wie die Gestaltung vieler Barockgärten erkennen lässt. Etwa Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden Modelle, das Temperaturgefälle zur systematischen besseren Durchlüftung des ganzen Stadtkörpers zu nutzen. Das setzt allerdings eine Vernetzung der Freiräume voraus, um ausreichend breite Schneisen für die Luftzirkulation freizuhalten. So gut die Idee von Anfang an war, so schwierig war auch die Umsetzung in der Planungspraxis, weil Grünflächen bekanntlich weniger Gewinn als Baulandflächen abwerfen und öffentliche Grünflächen mit einem hohen Pflegeaufwand verbunden sind. Erst in den vergangenen Jahren hat die Diskussion um den Klimawandel dazu geführt, die Klimatisierung des Stadtkörpers als vorrangiges Ziel des Städtebaus wieder zu entdecken. Wir sollten uns nicht mehr so lange wie bisher Zeit lassen, dieses Ziel umzusetzen.

Gastkommentar

Michael

Maxian

arbeitet seit 40 Jahren als Raumplaner. Er war lange Zeit im Amt der NÖ Landesregierung beschäftigt und ist nun als Konsulent und Universitätslektor tätig.

Diskutieren Sie mit! Entweder unter www.wienerzeitung.at/stadtland oder

kommunal@wienerzeitung.at