Wien. Ein Fußballfeld ist circa 105 Meter lang und 65 Meter breit. In Österreich wurde in den vergangenen zehn Jahren jeden Tag eine Fläche von durchschnittlich 30 Fußballfeldern versiegelt, was einer Fläche von 20 Hektar entspricht. Damit sei Österreich Europameister -allerdings im negativen Sinn, sagte Hagelversicherung-Chef Kurt Weinberger am Montagabend bei einem "Kamingespräch" im Palais Pallavicini mit Experten. Bei gleichbleibendem Verbrauch würde es in 200 Jahren keine Agrarflächen mehr geben. Die Folgen sind noch weitreichender, zubetonierte Flächen können außerdem kein Wasser und kein Kohlendioxid speichern, was zu Überschwemmungen und Dürre führen kann.

Sechsmal zu viel

Das Problem ist freilich bekannt. Schon seit 2002 ist in der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung festgeschrieben, dass täglich nur noch 2,5 Hektar zubetoniert werden dürfen. Heute, 15 Jahre danach, ist es noch immer sechsmal so viel. Seit dem Jahr 2001 sei somit die verbaute Fläche um 24 Prozent gewachsen, sagte Konrad Pesendorfer, Generaldirektor der Statistik Austria. Das entspreche einem Plus von rund 1090 Quadratkilometern. Zum Vergleich: Wien ist 414,6 Quadratkilometer groß. Etwa die gleiche Fläche nehmen aktuell ungenutzte Gewerbe- und Industriegründe sowie Wohnimmobilien ein. Ein geringfügiger Rückgang des Bodenverbrauchs sei allerdings zu erkennen, räumte Karl Kienzl vom Umweltbundesamt ein.

Die Experten des "Kamingesprächs" Weinberger, Pesendorfer, Kienzl und Salzburgs Grünen-Chefin, Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Rössler, forderten eine grundlegende Änderung der Bodenpolitik in Richtung Nachhaltigkeit sowie eine Reform der Raumordnung.

Salzburg als Vorreiter

In Salzburg soll bereits mit 1. Jänner 2018 eine Novelle des Raumordnungsgesetzes in Kraft treten, die der voranschreitenden Bodenversiegelung entgegenwirken soll, sagte Rössler. Die Ansiedelung neuer Supermärkte soll zum Beispiel künftig nach strengeren Kriterien erfolgen.

Auch der vom Umweltministerium angekündigte Masterplan für den ländlichen Raum soll Maßnahmen gegen den überbordenden Bodenverbrauch beinhalten. Bereits jetzt stelle das Ministerium 55 Millionen Euro pro Jahr für die Altlastensanierung zur Verfügung, heißt es auf Nachfrage, mit denen je nach Bedarf auch die Sanierung kontaminierter, brachliegender Flächen finanziert werde.