Lustenau/Linz. Der Vorarlberger Biobauer Simon Vetter hat sich dieses Jahr viel vorgenommen. "Wir freuen uns riesig, dass wir endlich unsere lang ersehnte Gemüselagerhalle bekommen", verrät der Lustenauer seine aktuellen Ausbaupläne. "Dort wird unser Gemüse künftig gelagert, gewaschen und schlussendlich auch verkauft werden." Seit 2016 bewirtschaftet der 33-jährige Landwirt den Biobetrieb Vetterhof, wo neben der Mutterkuhhaltung vor allem Kartoffeln, Dinkel und Gemüse angebaut werden. Für die Finanzierung der neuen Halle ist der Boku-Absolvent aber nicht zur Bank gepilgert, stattdessen sammelt er das nötige Kapital unter dem Slogan "Bauer sucht Crowd fürs Kraut" über seine Homepage und via Facebook.

Gute Stimmung beflügelt Investitionen

Das Crowdfunding für den Bau der Halle funktioniert in Form von Genussscheinen. "Die Kunden kaufen einen Genussschein zum Beispiel im Wert von 500 Euro. Fünf Jahre lang bekommen sie dann jährlich einen Einkaufsgutschein im Wert von 105 Euro für Einkäufe im Hofladen und unserem Marktstand", schildert Vetter das Prozedere. "In Summe bekommt man also 525 Euro Rückerstattung in Form von Waren."

Simon Vetter ist mit seinen Investitionsplänen nicht allein. Laut einer Erhebung des Linzer Marktforschungsinstituts "market" wird von den heimischen Landwirten generell wieder mehr investiert. Insgesamt geht es um mehr als fünf Milliarden Euro in den nächsten zwei Jahren. "Nicht nur in Industrie und Gewerbe, auch in der Landwirtschaft hat die allgemeine Stimmungslage eine große Bedeutung", erklärt Studienleiter Stefan Anzinger. "Unsere Daten zeigen über die Jahre: Je besser die Stimmung, desto höher ist auch die Investitionsbereitschaft in der Landwirtschaft."

Dass die Bauern wieder optimistischer sind, hat unter anderem damit zu tun, dass sich die Preise für Schweine und Kälber deutlich erholt haben. Beim Milchpreis gab es zuletzt ebenfalls eine gewisse Entspannung. Investiert wird laut "market" zu 47 Prozent in Wohngebäude, zu 40 Prozent in landwirtschaftliche Maschinen, etwa ein Drittel plant zudem Investitionen im Stallbereich und der Tierhaltung, und je 17 Prozent investieren in Grundflächen-Arrondierungen und in den Bereich Energiegewinnung und Biomasseheizkraftwerke.

Doch nicht alle, die in den eigenen Betrieb investieren möchten oder müssten, können sich das auch leisten. Laut einer Untersuchung des Forschungsinstituts für Familienunternehmen der Wirtschaftsuniversität Wien fehlt vielen Bauern dazu oft schlicht das Geld. Von tausend befragten landwirtschaftlichen Familienunternehmern aus Niederösterreich gaben mehr als die Hälfte an, ständig mit finanziellen Problemen zu kämpfen. 48 Prozent können demnach gerade noch den laufenden Betrieb erhalten, für rund elf Prozent ist selbst das kritisch. "Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass es bei landwirtschaftlichen Familienbetrieben zu einer Art Zwei-Klassen-Gesellschaft kommt", befürchtet Studienleiter Hermann Frank. "Nur rund 40 Prozent können es sich leisten, ihren Betrieb weiterzuentwickeln. Beim Rest bleibt für Zukunftsinvestitionen einfach nichts übrig."