Wien. Der Bund will künftig eine aktivere Rolle bei der Entwicklung der heimischen Baukultur spielen. Als Ergebnis eines langen Diskussionsprozesses hat daher der Ministerrat heute die "Baukulturellen Leitlinien des Bundes" beschlossen. Es geht etwa um Stärkung der Orts- und Stadtkerne, Förderung hochwertiger öffentlicher Räume, Pflege des baukulturellen Erbes oder Reduzierung des Flächenverbrauchs.

Die 20 Leitlinien stellen "eine freiwillige Selbstbindung des Bundes" dar, sollen als "Basis für partnerschaftliches Vorgehen aller Gruppen von Akteurinnen und Akteuren in der Querschnittsmaterie Baukultur" dienen und in weiterer Folge auch "zu legistischen Initiativen im Parlament führen". Unter ihnen finden sich mit "Flächen sparsam und qualitätsvoll entwickeln", "Nachhaltigkeitsprinzip anwenden und weiterentwickeln", "Bauregelwerke an baukulturelle Erfordernisse anpassen, vereinfachen und harmonisieren" oder "Öffentliche Mittel für das Bauen und Erneuern an Qualitätskriterien binden" einige viel diskutierte und in ihrer Umsetzung umstrittene Materien.

Ebenfalls unter den Leitlinien: "Architekturwettbewerbe verstärkt einsetzen", "Planungs- und Gestaltungsbeiräte implementieren und stärken" oder "Planung und Ausführung getrennt vergeben", "Verantwortliche der öffentlichen Hand qualifizieren und vorhandenes Wissen besser vernetzen" und nicht zuletzt: "Impulse für einen zukunftsfähigen Wohnbau setzen".

"Gelungene Baukultur steigert unsere Lebensqualität und wertet gleichzeitig den Wirtschaftsstandort Österreich auf. Sie entsteht überall dort, wo Menschen ihren Lebensraum gestalten: Gebäude, Straßen und Plätze, Verkehrs- und Infrastrukturbauten zählen ebenso dazu wie Gewerbeparks oder Dorfzentren", so Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) in einer Aussendung.

Vor allem bei der eigenen Immobilienentwicklung soll der Bund künftig eine Vorreiterrolle einnehmen, es werde aber auch geprüft, "wie bei der Vergabe öffentlicher Mittel finanzpolitische und steuerrechtliche Vorgaben qualitätsvolles Bauen unterstützen können", hieß es. In Kooperation mit den Ländern soll der Prozess der Vereinfachung und Harmonisierung von Gesetzen forciert werden.

Die Leitlinien sollen durch "ein Impulsprogramm, das konkrete Schritte für eine umfassende Förderung von Baukultur und eine breite Bewusstseinsbildung in Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Verwaltung zum Ziel hat", ergänzt werden. "Damit liegt erstmals eine Gesamtstrategie vor, die Baukultur als ressortübergreifende Querschnittsmaterie auf Ebene des Bundes, der Länder und der Gemeinden verankert", betont Drozda.

Der Beirat für Baukultur, auf dessen Initiative die Leitlinien entwickelt wurden, soll die Umsetzung der einzelnen Vorhaben begleiten.