Stefan Grisch, Fleischer in der niederösterreichischen Kleingemeinde Stössing, war vor Jahren als damaliger Vizebürgermeister selbst aktiv an der Schaffung einer örtlichen Währung beteiligt. "Davon leben könnte ich nicht, aber vor Weihnachten oder Feiertagen ist schon bemerkbar, dass ein bisschen mehr mit unserem Stössingtaler bezahlt wird", resümiert er nun. Die Regionalwährung sei jedoch eine gute Sache, auch wenn die Umsätze nicht explodieren.

In den Bioladen statt zur Supermarktkette zu gehen, die heimische Boutique unterstützen statt sich in großen Einkaufszentren einzudecken - für viele Menschen ist regionales Einkaufen in den letzten Jahren zum Lifestyle-Bekenntnis geworden. Braucht es überhaupt eine eigene Regionalwährung für Menschen, die sowieso schon regional einkaufen? "Das stimmt natürlich in gewisser Weise. Die Erfahrung ist aber, dass selbst Menschen mit einem ausgeprägten Bewusstsein oft zum billigeren Produkt greifen, wenn sie einen direkten Vergleich haben." Durch den Umtausch in eine Regionalwährung schränke man sich quasi selbst ein. "Außerdem ist es ein öffentliches Statement, an der Kassa die Langenegger Talente hinzulegen und damit auch nach außen zu zeigen, dass man regional einkauft", erklärt Schilling von Allmenda.

"Können auch mit
Muscheln bezahlen"

Bei der Österreichischen Nationalbank ist man jedenfalls entspannt ob solcher Regionalwährungen. "Wir sehen das ganz gelassen, da der Euro die einzige offizielle Währung ist. Solche Initiativen gibt es in vielen EU-Ländern. Es kratzt uns aber nicht, da wir solche Projekte nicht als echtes Geld ansehen, sondern als Gutscheinsysteme", erklärt Christian Gutlederer, Pressesprecher der Österreichischen Nationalbank.

Wenn man in ein paar Geschäften im Ort mit solchen Scheinen bezahlen könne, tue das nicht weh. "In Wörgl war das im historischen Kontext etwas anderes, weil der Schilling nicht stabil war und solche Experimente tatsächlich eine Unterminierung der Nationalwährung darstellten." Gutlederer hält solche Projekte heutzutage in erster Linie für regionale Marketingmaßnahmen. "Von mir aus können die Leute auch mit Muscheln bezahlen, wenn sich zwei Geschäftsseiten darauf verständigen können. Das fällt alles unter die Vertragsfreiheit."