Ebenso wichtig für den Erfolg war und ist, dass sich die Kommunalpolitik dem Drängen überregionaler Handelskonzerne, auch in der Osttiroler Bezirkshauptstadt ihre Großprojekte zu realisieren, nun schon seit Jahren widersetzt: Zwei Einkaufszentren mit je 20.000 Quadratmetern sollten in Lienz entstehen, doch legte die Stadtverwaltung eine Strukturanalyse vor, die neben den existierenden 90.000 Quadratmetern Verkaufsfläche nur noch einen Spielraum für maximal 8000 Quadratmeter ergab. Diese sollen auch nicht in peripherer Lage, sondern - verteilt auf zwei Standorte - im Zentrum Platz finden und den Geschäftsbestand ergänzen, anstatt ihn zu konkurrenzieren. Möglichkeiten dazu gäbe es durch die Neunutzung eines alten Postgrundstücks am Hauptplatz sowie einer Gewerbebrache am Stadtmarkt.

Leerstand nicht unabwendbar

Nicht verhindern konnte Lienz, dass in einer Nachbargemeinde ein Fachmarktzentrum eröffnete. Damit regional wirksame Entwicklungen nicht weiter auf Basis kommunalpolitischer Alleingänge erfolgen, arbeitet Lienz mittlerweile mit seinen 14 Umlandgemeinden im "Zukunftsraum Lienzer Talboden" zusammen. Ziel ist eine gemeinsame Siedlungs- und Infrastrukturpolitik und damit auch eine akkordierte Gewerbeentwicklung.

So sollen Betriebsansiedlungen künftig an geeigneten Standorten der Region in interkommunalen Gewerbegebieten erfolgen, wobei die Gemeinden ihre Lasten und Erträge untereinander aufteilen. Mit diesem ganzheitlichen Ansatz könnte sich Lienz dem Trend zu Randwanderung und Zentrenverödung dauerhaft entgegenstellen - und dem restlichen Österreich zeigen, dass innerstädtischer Leerstand nicht unabwendbar, sondern bloß ein politisches Versäumnis ist.