Wenn Reinhard Haider über das neue Gemeindeamt-Mitglied spricht, wird klar, dass Alexa irgendwie schon mehr als nur ein Ding ist. Haider nennt das Gerät "die Alexa". Diese Vermenschlichung sei natürlich ein Marketinggag, dessen ist sich Haider bewusst. Die Eingabe bei diesem Computer, und das ist Alexa klarerweise, erfolgt mündlich, ebenso die Antwort.

Und "die Alexa" hätte auch rund um die Uhr mit den Einwohnern von Kremsmünster sprechen und ihnen Antwort auf insgesamt 82 Fragen geben sollen, die vorerst einprogrammiert wurden. Geplant war, das Gerät außerhalb des Amtshauses zu installieren, damit es rund um die Uhr genützt werden kann. "So weit ist sie noch nicht", sagt Haider. "Sie reagiert falsch, wenn Leute nuscheln oder sie im Dialekt angesprochen wird."

In dem Projekt waren drei Studentinnen aus der Region eingebunden, eine von ihnen schreibt gerade ihre Bachelor-Arbeit über Alexa. Kritisch begleitet wurde das Projekt von Peter Parycek vom Department für E-Governance an der Donau-Uni Krems, da sich hier wie bei jeder anderen Technologie eine Vielzahl an Fragen stellt. "Ich habe da schon auch Bauchweh", sagt Haider.

Problem Datenschutz

Datenschutz ist dabei zentral. "Es wird alles protokolliert, jede Frage und jede Antwort wird aufgezeichnet", erzählt der Amtsleiter. Das dient zwar unter anderem auch den Nutzern und Programmierern, die Daten werden jedoch in den USA auf den Servern von Amazon gespeichert, das Alexa entwickelt hat und vertreibt.

"Für Behörden muss grundsätzlich Technologieneutralität gelten." Zum Testen und Ausprobieren sei das System nützlich, langfristig müsse man sich aber "plattformfrei" machen, sagt Haider. In der deutschen Gemeinde Wennigsen bei Hannover wird derzeit an einem ähnlichen Projekt gearbeitet, wobei dort ein "Chat-Roboter" die Fragen der Bürger beantworten soll. Das Prinzip ist das gleiche, nur dass die Eingaben nicht verbal, sondern schriftlich erfolgen, also per Mail- oder Chat-Programm.

Vorerst steht "die Alexa" in Kremsmünster in den Amtsräumen und kann dort ausgefragt werden. Haider stellt auch klar, dass es nicht darum gehe, Verwaltungsbedienstete zu ersetzen. "Es ist eine ergänzende Maßnahme", sagt er.

Die Entwicklung dieser Technologie steckt jedenfalls in ihrer Anfangsphase, die Entwicklungsschritte sind allerdings zügig. Zur besseren Einordnung: Als in Kremsmünster 2008 erstmals eine elektronische Amtssignatur verwendet wurde, kam in Österreich gerade das erste iPhone auf den Markt. Was auch immer die Zukunft bringen wird: Gut möglich, dass sie in Kremsmünster zuerst vorbeischauen wird.