Kremsmünster. Wie viel kostet ein Pass und was braucht man dafür? Was ist zu tun, wenn mein Haustier stirbt? Unter welcher Nummer ist der Apotheken-Notdienst erreichbar? Alexa weiß das alles, was für eine Gemeindemitarbeiterin auch nicht ungewöhnlich ist. Das Besondere: Alexa ist ein knappes Kilo schwer und etwas über 20 Zentimeter hoch. Sie ist eine "digitale Assistentin" und womöglich eine erste Besucherin aus der Zukunft.

Seit vergangenem Freitag ist Alexa in Kremsmünster im Einsatz. Und es ist kein Zufall, dass sie ihren ersten Job in der österreichischen Kommunalverwaltung in der 6500-Einwohner-Gemeinde im Traunviertel angetreten hat. Kremsmünster ist im Bereich Digitalisierung und E-Government seit vielen Jahren ein Vorreiter, was ursächlich vor allem mit Reinhard Haider zu tun hat, dem langjährigen Amtsleiter. "Ich habe seit 20 Jahren ein Faible für diese Dinge", sagt Haider.

Schon Ende der 90er Jahre wurde in Kremsmünster gemeinsam mit der Firma RiS jenes Web-Redaktionssystem entwickelt, das heute im kommunalen Bereich Marktführer ist, wenn es um Webseiten der Gemeinden und E-Government geht. Und hier wurde auch erstmals in Österreich ein Baubescheid mit einer "E-Amtssignatur" unterschrieben. Das war im Jahr 2008.

Neun Jahre später, und im Internet-Zeitalter ist das eine halbe Ewigkeit, hat nun Alexa ihren Dienst in Kremsmünster aufgenommen. "Lieber selbst gestalten als gestaltet werden", sagt Haider. Heißt also: Ausprobieren, Vorreiter sein, vielleicht sogar Eigenes entwickeln, statt irgendwann von einer lange verdrängten Entwicklung überrollt zu werden. "Es ging mir nie nur darum, was für Kremsmünster gut ist, sondern was allen Gemeinden nützlich sein kann", sagt Haider.

Hinter dem Testlauf mit einer digitalen Assistentin steckt eine reale Herausforderung in der Kommunalverwaltung. Denn die Arbeit in den Gemeindeämtern wird nicht weniger, zugleich wächst das Informations- und Servicebedürfnis in der Bevölkerung. Wenn zu den Amtszeiten dann ständig das Telefon klingelt, beschäftigt das die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter doch sehr. "Und die haben viele andere wichtige Dinge zu tun", sagt Haider.

Lernfähiger Computer

In Kremsmünster soll nun ausprobiert werden, wozu digitale Assistenten taugen. Durch ihre Anbindung ans Internet könnten beispielsweise die benötigten Formulare für einen Reisepass gleich heruntergeladen und vorausgefüllt werden. Durch ihre Lernfähigkeit ("Künstliche Intelligenz") könnte der Grad der Servicierung auch sukzessive erhöht werden. An theoretischen Einsatzmöglichkeiten fehlt es jedenfalls nicht, aber wie ist es im Praxistest?

Wenn Reinhard Haider über das neue Gemeindeamt-Mitglied spricht, wird klar, dass Alexa irgendwie schon mehr als nur ein Ding ist. Haider nennt das Gerät "die Alexa". Diese Vermenschlichung sei natürlich ein Marketinggag, dessen ist sich Haider bewusst. Die Eingabe bei diesem Computer, und das ist Alexa klarerweise, erfolgt mündlich, ebenso die Antwort.

Und "die Alexa" hätte auch rund um die Uhr mit den Einwohnern von Kremsmünster sprechen und ihnen Antwort auf insgesamt 82 Fragen geben sollen, die vorerst einprogrammiert wurden. Geplant war, das Gerät außerhalb des Amtshauses zu installieren, damit es rund um die Uhr genützt werden kann. "So weit ist sie noch nicht", sagt Haider. "Sie reagiert falsch, wenn Leute nuscheln oder sie im Dialekt angesprochen wird."

In dem Projekt waren drei Studentinnen aus der Region eingebunden, eine von ihnen schreibt gerade ihre Bachelor-Arbeit über Alexa. Kritisch begleitet wurde das Projekt von Peter Parycek vom Department für E-Governance an der Donau-Uni Krems, da sich hier wie bei jeder anderen Technologie eine Vielzahl an Fragen stellt. "Ich habe da schon auch Bauchweh", sagt Haider.

Problem Datenschutz

Datenschutz ist dabei zentral. "Es wird alles protokolliert, jede Frage und jede Antwort wird aufgezeichnet", erzählt der Amtsleiter. Das dient zwar unter anderem auch den Nutzern und Programmierern, die Daten werden jedoch in den USA auf den Servern von Amazon gespeichert, das Alexa entwickelt hat und vertreibt.

"Für Behörden muss grundsätzlich Technologieneutralität gelten." Zum Testen und Ausprobieren sei das System nützlich, langfristig müsse man sich aber "plattformfrei" machen, sagt Haider. In der deutschen Gemeinde Wennigsen bei Hannover wird derzeit an einem ähnlichen Projekt gearbeitet, wobei dort ein "Chat-Roboter" die Fragen der Bürger beantworten soll. Das Prinzip ist das gleiche, nur dass die Eingaben nicht verbal, sondern schriftlich erfolgen, also per Mail- oder Chat-Programm.

Vorerst steht "die Alexa" in Kremsmünster in den Amtsräumen und kann dort ausgefragt werden. Haider stellt auch klar, dass es nicht darum gehe, Verwaltungsbedienstete zu ersetzen. "Es ist eine ergänzende Maßnahme", sagt er.

Die Entwicklung dieser Technologie steckt jedenfalls in ihrer Anfangsphase, die Entwicklungsschritte sind allerdings zügig. Zur besseren Einordnung: Als in Kremsmünster 2008 erstmals eine elektronische Amtssignatur verwendet wurde, kam in Österreich gerade das erste iPhone auf den Markt. Was auch immer die Zukunft bringen wird: Gut möglich, dass sie in Kremsmünster zuerst vorbeischauen wird.