Lanner sieht aber auch in diesem Punkt eine Chance für regionale oder nationale Initiativen. "Wenn ich eigene Produkte habe, tun sich globale Plattformen schwerer. Bei komplexen Produkten liegt eine Riesenchance, Services zu bieten, die eine globale Plattform nicht leisten kann", erklärt der Tourismusberater.

Die Haltung soll sich ändern

Generell solle man sich aber nicht zu sehr auf technische Fragen fokussieren. "Es geht auch darum, eine Haltung aufzubauen. Dass wir der Technik nicht mit Angst behaftet, sondern im besten Fall mit einer gewissen Freude gegenüberstehen, damit man für das eigene Unternehmen schnell das richtige finden kann", erklärt Lanner. Das klingt im Zusammenhang mit Digitalisierung zunächst einmal logisch, hat für den Tourismus aber eine besondere Bedeutung.

"Ich höre im Zusammenhang mit Digitalisierung immer wieder die Angst, ‚aber wir sind so ein persönliches Hotel, das wird alles so schlimm‘. Die Rezeptionistin, von der da gesprochen wird, konzentriert sich derzeit aber zunächst einmal darauf, die Felder auf dem Computer richtig auszufüllen. Das ist nicht ein persönliches Willkommen-heißen, sondern das Bedienen des Automaten. Ziel muss es sein, dass die Mitarbeiter durch die Digitalisierung für das Persönliche freigespielt werden und man die Branche wieder ein Stück weit menschlicher macht", sagt Lanner.

In Sachen Digitalisierung sei aber noch ein zweiter Sinneswandel notwendig. "Wir haben uns seit der Industrialisierung gewisse Verhaltensweisen angeeignet. Die basieren auf Wettbewerb, Abgrenzung, ja niemandem anderen etwas sagen. Diese Haltung wird in der transformierten Zukunft eher nachteilig sein. Es wird die Haltung der Kollaboration sein, die erfolgversprechender sein wird", sagt Lanner.

Kooperation mit Grenzen

Tatsächlich beschäftigen sich mehrere Maßnahmen in der Tourismusstrategie mit dem Überthema Kooperationen und Zusammenarbeit. Das sind einerseits horizontale Kooperationen, also dass gleichartige Tourismusbetriebe miteinander kooperieren, etwa Hotels mit anderen Hotels. Andererseits geht es um vertikale Kooperationen, in denen unterschiedliche Betriebe der gleichen Destination miteinander kooperieren, etwa Hotels mit Skigebieten und Skischulen.

Derartige Kooperationen existieren bereits, vor allem im Bereich der regionalen Tourismusverbände. Auch Köll weiß von einem gelungenen Beispiel zu berichten. Im Tourismusverband Osttirol haben sich zahlreiche Hotels unter dem Label "Spitzcialhotels" zusammengeschlossen und versprechen gemeinsame Qualitätskriterien. Den Hotels bringen solche Zusammenschlüsse Gäste auf relativ einfachem Weg.

Kooperation hat aber auch ihre Grenzen. Ein Punkt der Tourismusstrategie möchte die Betriebe animieren, Nutzerdaten gemeinsam zu verarbeiten und auch sonst Netzwerke zu bilden, um voneinander zu profitieren. Köll sagt dazu: "Man muss immer sehen, was man davon hat. Wir sind schon in einigen Kooperationen. Aber die sind immer sehr zeitaufwendig und man hat nicht immer die gleiche Zielgruppe oder die gleichen Ziele."

Österreichs kleinteilige Tourismusstruktur mit vielen Klein- und Mittelbetrieben erzeugt in diesem Punkt ein Dilemma. Kooperation wäre aufgrund dieser Struktur für die Branche besonders vorteilhaft, der Nutzen für den einzelnen Betrieb liegt aber nicht immer auf der Hand oder stellt sich überhaupt nicht ein.