Wien. Gesellschaftliche Veränderungen passieren nicht über Nacht, sondern eher über Generationen. So gesehen ist das, was sich in Sachen Kinderbetreuung in den vergangenen zwei Jahrzehnten vollzogen hat, schon eine ziemlich beachtliche Entwicklung.

Ein paar Zahlen: 1997 hat es in Österreich 618 Gruppen in der Kleinkindbetreuung gegeben, also für 0- bis 3-jährige Kinder. Heute sind es 2890, das sind fast fünfmal so viele. Jedes vierte zweijährige Kind wird heutzutage außerhalb der eigenen Familie betreut, vor zehn Jahren war es noch jedes zehnte. Das sind schon beachtliche Sprünge in relativ kurzer Zeit. Und noch eine Zahl: Im Vorjahr lag die Betreuungsquote bei Vierjährigen bei 96,1 Prozent.

Geht es nach den Vorstellungen von ÖVP und FPÖ, dürfte sich diese Quote weiter erhöhen. Bei den Koalitionsverhandlungen haben sich die beiden Parteien auf ein verpflichtendes zweites Kindergartenjahr geeinigt, sollten sprachliche Defizite vorliegen. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass bereits die vorherige Regierung diese Absicht hatte und diese auf Ministerebene zwischen SPÖ und ÖVP schon akkordiert war. Umgesetzt wurde das zweite verpflichtende Kindergartenjahr dann aber nicht, man verlor sich, wie so oft, auf dem Weg zur Umsetzung.

Neue 15a-Vereinbarung

Und es gibt noch eine zweite Maßnahme, die ÖVP und FPÖ ankündigten: Die Leiterinnen bzw. Leiter von Kindergärten sollen eine entsprechende akademische Ausbildung vorweisen müssen. Das wäre quasi der Einstieg in den Umstieg zur Akademisierung in der Elementarpädagogik - ein seit Jahren diskutiertes und durchaus umstrittenes Thema.

Beide Vorhaben könnten für die Gemeinden in einem höheren finanziellen Aufwand münden. Aus dem Gemeindebund heißt es: "Leisten können wir das alles sicher, aber wer bestellt, soll auch zahlen", sagt Sprecher Daniel Kosak. Den beiden vermutlich künftigen Regierungsparteien schwebt eine 15a-Vereinbarung zur Finanzierung vor. Das ist nicht überraschend, schließlich sind derzeit bereits drei verschiedene solcher Vereinbarungen zwischen Bund, Ländern und Gemeinden im Bereich der Elementarpädagogik in Kraft. In einer geht es um sprachliche Frühförderung, in einer zweiten um den Ausbau der Kleinkindbetreuung und in der dritten um das erste verpflichtende Kindergartenjahr.

Für alle Maßnahmen übernimmt der Bund derzeit einen Teil oder sogar die gesamten Kosten. Allerdings laufen alle drei 15a-Vereinbarungen im August 2018 aus. Die Aufwendungen für das erste verpflichtende Kindergartenjahr betragen jährlich 70 Millionen Euro, sie werden zur Gänze vom Bund getragen.