Auch im internationalen Vergleich nimmt sich der österreichische Staat, auch aufgrund von Privatisierungen, recht schlank aus. Der Anteil der öffentlich Bediensteten an der Erwerbsbevölkerung liegt unter dem OECD-Durchschnitt und nur marginal über jenem der USA.

Der Verwaltungsforscher und Coach, Wolfgang Gratz, sieht das Vorhaben der Regierung skeptisch. "Es stellt sich die Frage, inwieweit man Aufgaben reduziert. In der Praxis zeigt sich, dass eher neue Geschäftsprozesse hinzukommen." Auch aktuelle Ereignisse und Entwicklungen haben auf den Personalstand Einfluss. So wurde das Bundesamt für Asyl zuletzt massiv aufgestockt.

Potenziale ortet auch Gratz, wenn etwa Entscheidungsbefugnisse nach unten geschoben werden und die Mitarbeiterführung verbessert wird. In diesem Fall ist eine systemische Begleitung aber unabdingbar, bisher waren die Einsparungsbemühungen doch eher schablonenhaft. Und davon geht die neue Regierung vorerst auch nicht ab, sondern verstärkt das Dogma des Aufnahmestopps.

"Ich nehme an, dass die neuen Chefinnen in den kommenden Monaten draufkommen werden, was das in ihren Ressorts bedeuten würde", sagt Gratz. "In der Justiz bedeutet Qualität, dass es eben auch Kanzleipersonal und Schriftführer gibt, das wird man sich alles ganz genau ansehen müssen", betont Gratz.

Bei den Verwaltungsgerichten hat sich die Regierung vorgenommen, den Bürgern ein besseres Service zu bieten und Verfahren zu beschleunigen. Richter sollen durch die Aufnahme juristischer Mitarbeiter entlastet werden - was wieder mehr Personal bedeuten würde.

Mehr Finanzprüfer
würden Einnahmen erhöhen

Im Bereich der Finanzverwaltung ist noch vieles unklar. Die Regierung will jedenfalls die Prüfer der Finanzämter und Gebietskrankenkassen zu einer Prüfbehörde zusammenlegen. Auch die Arbeitsmarktkontrollen durch die Finanzpolizei sollen von dieser einen Prüfbehörde vorgenommen werden. Die detaillierte Ausgestaltung ist hier wohl entscheidend.

"Die Frage ist, ob von der Finanz bis zum Arbeitsinspektorat die Verwaltung als etwas gesehen wird, das sich möglichst wenig in die Wirtschaft einmischen soll", sagt Gratz. Dieser Verdacht liegt insofern nahe, als die Regierung das Prinzip "Beraten statt Strafen" gesetzlich verankern will. Das wird seit Jahren von der Wirtschaftskammer gefordert.

In gewisser Weise steht dies allerdings in einem Widerspruch zu Empfehlungen des Rechnungshofes, der noch unter Präsident Josef Moser (heute Justizminister) die Sparsamkeit des Fiskus bei den eigenen Steuerprüfern bemängelt hat. Jeder Mitarbeiter mehr würde ein Mehr an Einnahmen für den Finanzminister bringen, und zwar gleich um das Zwölffache. Rein budgetär wäre es laut Rechnungshof daher angezeigt, den Personalstand der Finanzbehörden zu erhöhen.

Minister Löger will aber primär Ausgaben senken statt Einnahmen erhöhen, und zwar 2,5 Milliarden Euro im kommenden Jahr. Circa eine Milliarde Euro will Löger über Einsparungen beim Personal des Bundes lukrieren. Geht man von den 35.000 Bundesbediensteten aus, die nicht in den Bereichen Sicherheit und Bildung beschäftigt sind, so verursachen diese Ausgaben von insgesamt rund 2,5 Milliarden Euro pro Jahr - konservativ gerechnet. "Synergien gibt es zwar immer, aber vermutlich ist das Ziel zu ambitioniert", sagt Bußjäger.