Abgesehen von begünstigenden Rahmenbedingungen (höhere Bildung, bessere Kinderbetreuung, mehr Jobs im Dienstleistungssektor) dürften soziale und kulturelle Faktoren aber auch von Relevanz sein, wie die Volkswirtin Christine Zulehner von der Universität Wien sagt: "Wenn es sich etabliert hat, dass Frau arbeiten gehen, spielt das auf jeden Fall eine Rolle. Soziale Normen kann man aber schwer messen."

Auffallend ist jedenfalls, dass sich die Zunahme der Frauenerwerbsquote auch im Bundesland-Vergleich unterschiedlich darstellt. Im konservativ geprägten Tirol ist seit 2001 ein bedeutend größerer Sprung passiert als im industrieller geprägten Ober- und Niederösterreich.

Die auf die Gemeinden heruntergebrochenen Daten von "Addendum" geben freilich nicht nur Antworten, sondern stellen auch Fragen. Warum arbeiten im obersteirischen Vordernberg nur 68 Prozent der 25- bis 60-jährigen Frauen, im benachbarten Trofaiach aber 78 Prozent? Warum beträgt die Teilzeitquote in der Gemeinde Lech 28 Prozent, aber im nur wenige Autominuten entfernten Klösterle 71 Prozent?


Mehr Jobs im Handel

Sybille Pirklbauer, Referentin für Frauen- und Familienpolitik von der Arbeiterkammer, verweist auf das Angebot von Kinderbetreuung. Tatsächlich gibt es in Klösterle keinen ganztägigen Kindergarten, in Lech schon. Allerdings auch in Vordernberg in der Steiermark, wo vergleichsweise wenige Frauen arbeiten.

Interessant ist auch die Entwicklung in Fohnsdorf, einer vormaligen Bergbau-Gemeinde in der Steiermark. Obwohl städtisch geprägt, gab es hier seit 2001 einen signifikanten Anstieg bei der Erwerbsquote. Clemens Achleitner, Amtsleiter der Gemeinde, führt dies einerseits auf das riesige Fachmarktzentrum zurück, das viele Jobs im Handel gebracht hat, "außerdem wurde auch in die Kinderbetreuung investiert".

Teilzeitquote am Land höher

Meist ist es ein Bouquet an verschiedenen Faktoren, die eine Rolle spielen, weshalb sich die Beteiligung der Frauen auf dem Arbeitsmarkt selbst bei Gemeinden in einer Region unterschiedlich darstellt. Es ist allerdings evident, dass die Teilzeitquote im ländlichen Österreich höher als in urbanen Regionen ist, wo ganztätige Kinderbetreuungsformen schon viel länger existieren und auch höher qualifizierte Jobs zur Verfügung stehen.

In der Stadt ist auch die Gehaltsschere, der sogenannte Pay Gap, zwischen Männern und Frauen größer. Das liegt aufgrund der höheren Teilzeitquote zwar auf der Hand, doch auch wenn man diesen Effekt herausrechnet und die Bruttojahresstunden für eine Vollzeitstelle heranzieht, gibt es zwischen Stadt und Land eine Differenz. Die Gehaltsschere ist im urbanen Raum kleiner.


Grundsätzlich geht man im internationalen Vergleich davon aus, dass mit höherer Erwerbsbeteiligung von Frauen auch der Pay Gap aufgeht, da sonst nur jene Frauen auf den Arbeitsmarkt gelangen, die dank guter Bildung höher qualifizierte Jobs erhalten. Aus den Gemeindedaten ist dieser Zusammenhang nicht herauszulesen, so findet sich etwa Vordernberg (sowie weitere Gemeinden mit geringer Frauenerwerbsquote) ganz weit oben beim Pay Gap. "Da spielen viele Faktoren mit, man müsste sich jede Gemeinde einzeln ansehen", sagt Ökonomin Zulehner. Arbeiten die Frauen gemäß ihrer Qualifikation? Welche Jobs gibt es überhaupt? Wie viele Vollzeitjobs gibt es? Daten geben eben nicht immer Antworten.