Wechselseitige Lernprozesse: Wir hätten eine Spitzenverwaltung, wenn vorbildliche Lösungen und Praktiken, die in einzelnen Verwaltungsbereichen angewendet werden, weitere Verbreitung fänden. Wie erreicht man das?

Unsere Verwaltung und ihre Mitarbeiter sind ziemlich gut. Ich gehe mittlerweile lieber in ein Amt als in eine Bankfiliale. Ein massives Problem stellt jedoch eine ziemlich kleine Gruppe von Mitarbeitern dar, die nicht mehr leistungsbereit und/oder leistungsfähig ist. Nur allzu häufig verharrt man diesen gegenüber in Duldungsstarre und kippt jäh von einem "Da brauchen wir eh nichts machen" in ein "Da kann man nichts mehr machen". Diese kleine Minderheit prägt nicht nur das Bild von Verwaltung in der Öffentlichkeit in überproportionaler Weise. Ihre Arbeit muss zu hohen Teil von Kollegen gemacht werden, was wiederum bei diesen zu Frustrationen und Überbelastungen führt. Das Dienstrecht sieht durchaus Möglichkeiten vor. Deren Gebrauch gilt jedoch vielerorts als Tabu. Wie kann es gelingen, hier Fairness herzustellen?

Aktuell werden all diese Fragestellungen, wenn überhaupt, so nur punktuell angesprochen, wenn nicht überhaupt vermieden.

Zusammenarbeit mit Unis

Gelänge es, sie einem Diskurs zu führen, hätte das nicht nur positive Auswirkungen auf die zuvor angesprochenen Themenfelder, sondern auch allgemein auf die Organisationskultur der Verwaltung. Das Entwicklungszentrum sollte nicht in stolzer Einsamkeit arbeiten, sondern mit Universitäten, Fachhochschulen, Forschungsinstituten, innerhalb der EU und mit internationalen Organisationen und ausländischen Verwaltungsbereichen, Ideenschmieden vernetzt sein.

Es wäre auch möglich, dieses Entwicklungszentrum als Ausbildungsstätte (nach Möglichkeit in Zusammenarbeit mit dem tertiären Bildungssektor) einzurichten, die solche, die Spitzenbeamte werden wollen, zu absolvieren haben. Ein erheblicher Teil der Ausbildung sollte darin bestehen, kooperativ und wissenschaftlich unterstützt an Studien und Projekten zu arbeiten.

Will man solch ein Entwicklungszentrum installieren, gilt es zuerst, die Vision inhaltlich und methodisch zu konkretisieren. Erst dann wäre die Frage nach strukturellem Aufbau und institutioneller Anbindung anzugehen. Wichtig wäre jedenfalls ein hohes Ausmaß an Unabhängigkeit und Freiheit zu entwickeln, zu erkunden und zu forschen.

Wenn es gelänge, solch ein Entwicklungszentrum gemeinsam mit anderen Körperschaften öffentlichen Rechts zu betreiben, bekäme diese Idee zusätzliche Fantasie. Will man Österreich neu regieren, bräuchte man diese sowieso in kräftiger Dosierung.

GastBeitrag

Wolfgang

Gratz

ist Experte für empirische Verwaltungsforschung. Aus dem Jahr 2012 stammt seine Studie "Zur Ausgestaltung der Nahtstellen zwischen Politik und Bundesverwaltung in Österreich". privat