Beim dritten Baukulturreport ging man nun einen anderen Weg. Es wurden nicht Vergangenheit und Gegenwart analysiert und daraus Maßnahmen für die Zukunft abgeleitet, sondern drei überspitzte Zukunftszenarien für das Jahr 2050 entwickelt und aus dieser fernen Zukunft der Blick zurück gewagt- und in zwei Fällen ist das kein schöner Blick.

Es sind freilich Extremszenarien, die darin beschrieben werden. Im ersten gehen die Autoren von einer ungebremsten Entwicklung der Globalisierung aus, in der die staatliche Politik (samt ihrer Verwaltung) zurückgedrängt wird. In dieser Welt gewinnt immer der Stärkere: Die beschriebenen Folgen: Mehr Agroindustrie, periphere Gebiete werden aufgegeben, die Umweltbelastungen steigen, der Klimaschutz wird aufgeweicht und der Flächenverbrauch erhöht.

Das ebenfalls eher dystopische Gegenstück dazu ist ein Szenario, das in puncto Globalisierung eine Vollbremsung darstellt. Hier gewinnt nicht der Stärkere, sondern hier gewinnt Klein gegen Groß. Es kommt zu einer Renationalisierung Europas, die EU zerbricht. Das Land grenzt sich ab, die Bevölkerung schrumpft, die Gesellschaft wird zunehmend segregiert.

Die baukulturellen Folgen in diesem imaginierten Jahr 2050 sind eine fortschreitende Zersiedelung und Zunahme des Individualverkehrs sowie auch hier steigender Bodenverbrauch und Umweltbelastung. Entscheidungen werden nur auf lokaler Ebene und völlig unkoordiniert getroffen.

Kein "Wohlfühlszenario"

Wer bei Verstand ist, kann natürlich keines dieser zwei Szenarien befürworten, und das ist auch so gewollt. Deshalb gibt es Zukunft Nummer drei, das "integrale" Szenario. In diesem wird ein Bewusstseinswandel beschrieben. Nachhaltigkeit und Gemeinwohlorientierung rücken ins Zentrum des Denkens, Wohlstand bedeutet Lebensqualität und nicht bloß BIP-Wachstum. Durch kompakte Siedlungsformen wird der Zersiedelung der Kampf angesagt.

Wie Christian Kühn, der Vorsitzende des Beirats für Baukultur und Dekan für Architekt an der TU Wien, sagt, ist aber auch dieses dritte Szenario kein reines "Wohlfühlszenario". Denn es macht auch deutlich, wie viel sich in den kommenden Jahrzehnten ändern wird müssen, um diesem integralen Ansatz gerecht zu werden, bis hin zur Schaffung von "Verwaltungseinheiten der Regionen" unterhalb der Bundesebene.

Explizit wird auch in diesem Modell auf die Konkurrenz um die vorhandenen Flächen hingewiesen, die oftmals im Mittelpunkt von Konflikten wie in Wien, Lustenau, Schwechat oder Munderfing stehen. Welche Interessen werden dort gewürdigt?

Aus den drei Zukunftszenarien werden im Baukulturreport fünf strategische Leitgedanken destilliert: mehr Bewusstsein für Baukultur, die Stärkung des Gemeinwohls, ganzheitliche und langfristige Planung, Beachtung des Flächenverbrauchs sowie mehr Qualitätskriterien bei der Vergabe von öffentlichen Mitteln.

Laut Ministerratsbeschluss soll dazu eine Enquete im Nationalrat und Gespräche mit und in den Bundesländern stattfinden. In der Umsetzung braucht der Bund die Länder und Gemeinden.