Verzichtet man nun weitgehend auf Verbote beim Bestand von Ölheizungen, wird die Regierung (beziehungsweise werden die Landesregierungen) nicht drum herumkommen, die finanzielle Kluft zwischen den Heizsystemen in der Anschaffung zu reduzieren. "Der Anreiz muss groß sein", heißt es auch aus dem Umweltministerium.

Wer zahlt den Umstieg?

Müller hat im Jänner mit Kollegen im Auftrag des Verbandes der Erneuerbaren Energie ein "Wärmeszenario 2050" erstellt und dabei die Anforderungen und Konsequenzen eines Ausstiegs aus fossiler Energie im Gebäudebereich dargestellt. In dem berechneten Szenario müssten die Investitionen in diesem Bereich bis 2030 von heute 3 auf 4,5 Milliarden Euro pro Jahr angehoben werden und danach, bis 2040, sogar auf 5 Milliarden Euro. Dies betrifft allerdings auch die thermische Sanierung sowie Instandsetzungen.

"Diese Zusatzinvestitionen sind aber moderat im Vergleich dazu, was sonst bei Gebäuden gemacht wird. Da fließen so hohe Investitionen hinein, dass die zusätzlichen Mittel in Heizungssysteme keinen wirklich großen Einfluss haben", sagt Wissenschafter Müller.

In der Studie wurden auch die Einsparungen bei den Betriebskosten berechnet, die durch den Ausstieg aus Öl und Gas langfristig von heute rund 9 Milliarden Euro im Jahr bis 2030 auf 8 Milliarden Euro und dann bis 2050 auf unter 6 Milliarden Euro sinken würden. (Berücksichtigt wurde hier ein von der EU-Kommission empfohlenes Energie-Preismodell).

Bricht man es nur auf Ölheizungen herunter, ergibt sich ein etwas überschaubarer jährlicher Investitionsbedarf von 80 bis 100 Millionen Euro. Zumindest kann man mit dieser Größenordnung kalkulieren, wenn man davon ausgeht, dass zwischen 18.000 und 20.000 Ölheizungen pro Jahr mehr stillgelegt werden müssen als bisher.

Trotzdem: Wer soll das alles bezahlen? Bei gesetzlichen Verboten wäre es klar: die Hausbesitzer, die keine andere Wahl als einen Umstieg hätten. Doch diesen Weg will die Regierung dezidiert nicht gehen. Man wolle "die Vorteile erneuerbarer Heizformen offensiv aufzeigen", es solle viel Überzeugung, aber eben auch "Unterstützung" geben. Also Förderungen.

Private Öl-Förderungen

Deren Erhöhung ist zwar logisch, aber noch nicht konkretisiert. Umweltministerin Elisabeth Köstinger will jedenfalls mehr Fördereffizienz, wie sie sagt. Teilweise sind die bürokratischen Hürden so hoch, dass im Bereich der thermischen Sanierung viele auf die Förderungen verzichten. Dadurch bleiben Subventionen liegen. Andererseits: Ohne entsprechende Kontrolle, ohne Bürokratie geht wieder die Effektivität verloren, da die Mitnahmeeffekte zunehmen, also sich Eigentümer aus der öffentlichen Hand den Umstieg finanzieren lassen, den sie aber ohnehin getan hätten.

Eine Besonderheit ist, dass sich die Mineralölkonzerne zusammengeschlossen und eine GmbH gegründet haben ("Heizen mit Öl"), um den Kesseltausch, also von Öl auf Öl, zu fördern. Eine Freude hat das Umweltministerium damit nicht, wirklich pikant ist aber, dass die teilstaatliche OMV (31,5 Prozent) ein Gesellschafter dieser GmbH ist. Man habe bereits das Gespräch mit der OMV gesucht, sagt ein Ministeriumssprecher. Beim Ölkonzern verweist man unter anderem darauf, dass durch den Tausch von Kesseln die Effizienz gesteigert und damit auch CO2 eingespart werde. Man bekenne sich zur Klimastrategie.

Günstiger macht es das für die öffentliche Hand aber nicht, wenn sie zusätzlich zum unterschiedlichen Marktpreis von Ölheizungen noch private Förderungen ausgleichen will. "Global 2000" schlägt ein zinsloses Kreditmodell als Förderung vor, teilweise gibt es das bereits in einigen Bundesländern.

Das wäre zwar ein Anreiz, aber ist er groß genug? Es geht eben doch um 80 bis 100 Millionen Euro, die zusätzlich jedes Jahr investiert werden müssen. Von der Allgemeinheit?