Dieses Beispiel ist eines, das eingebettet in eine grundsätzliche Methode des Mecheler Bürgermeisters ist, gesellschaftliche Entwicklungen auch mithilfe von Städtebau und Infrastruktur zu befördern. "Die Bedeutung der baulichen Aufwertung wird gewaltig unterschätzt", schreibt er.

Und diese stand auch am Beginn seiner Amtszeit, als die Stadt anfing, in den schlechten Vierteln aufzuräumen. Und das in vielerlei Hinsicht. Die Straßen wurden gesäubert, die Kriminalität restriktiv bekämpft, aber eben auch Vierteln aufgewertet. Man setzte bei baulichen Maßnahmen auf hochwertige Gestaltung statt auf vandalismussichere Materialien. "Es sagt etwas darüber aus, was der Staat von den Menschen hält, die dort leben." Im Fall von Sitzbänken aus unzerstörbarem Metall ist dies: Hier ist es übel.

Mechelen erhielt auch mehr Polizisten, gerade bei Jugendsünden gingen diese oftmals repressiv vor, was Somers den Ruf einbrachte, für Law & Order zu stehen. Aber ist das nicht auch Sozialpolitik? Somers argumentiert so: Gerade chancenarme, nicht gut behütete Kinder müssen den "Terror der Straßenbanden" erdulden. "Mitmachen oder ausgeschlossen werden", lautet die Devise. Erpressung, erzwungene Beteiligung an kriminellen Aktivitäten, brutale Initiationsriten, Vandalismus, Einschüchterung derer, die dagegen protestieren.

Kein Humus für Extremismus

Auch das sind Aspekte von Somers Vorstellung einer inklusiven Gesellschaft, die er als Antwort auf die Herausforderungen der größer werdenden Diversität versteht. Er singt dieser keinesfalls ein Loblieb. "Wer so tut, als sei das Zusammenleben in der Diversität das reinste Vergnügen, war nie ein Teil davon", schreibt er. Sie ist aber Realität, in Mechelen mehr als anderswo. Jeder Dritte hat hier Migrationshintergrund. Diversität ist eine Realität, und sie ist unumkehrbar. "Wir gehören alle zur ersten Generation superdiverser Mecheler, Flamen und Belgier. Darin sind wir einander gleich und müssen allesamt lernen, damit umzugehen."

Man merkt dem Text an, dass sich Bart Somers intensiv mit dem IS und seiner Wirkung auf Jugendliche beschäftigt hat. Seine Überlegung dabei: Man müsse den IS verstehen, um ihn wirksam bekämpfen zu können. Die Wirkung von polizeilichen Maßnahmen seien begrenzt, der Preis von Überwachung auch zu hoch für eine liberale Gesellschaft. Die beste Sicherheitsmaßnahme sei, so Somers, dass Extremisten keine Anhänger finden.

Ein Patentrezept wird auch der Bürgermeister Mechelens nicht gefunden haben, aber sein Ansatz ist stringent. Somers ortet eine Beziehung zwischen Diskriminierung und gewalttätiger Radikalisierung und zieht Vergleiche zu Sekten. "Potenzielle Anhänger geraten oft über das Internet in den Bann einer Art Guru. Jemanden, der ihnen Wärme spendet, ihre Frustration und ihren Schmerz versteht. Langsam aber sicher setzt ein Prozess der Isolation ein." Diesen Prozess müsse man frühzeitig durchbrechen, schreibt Somers, und das heißt auch, keine Form von Diskriminierung (auch soziale) zuzulassen.