Kreativität bei der Nachnutzung

"Man muss sich vom Gedanken lösen, dass im Fall der Nachnutzung immer die gleiche Verwendungsmöglichkeit bestehen muss, also zum Beispiel ein Geschäft. Da gibt es tolle, kreative Lösungen", sagt die Raumforscherin Gerlind Weber, die sich mit dem Thema Leerstand seit Jahrzehnten beschäftigt.

Purgstall ist aber nicht nur ein Beispiel für Leerstand, sondern eben auch eines für die geforderte Kreativität. Denn die Gemeinde wurde zum "Bücherdorf", in verlassene Geschäfte zogen Buchläden für gebrauchte Bücher, dazu gab es immer wieder Lesefeste. Freilich: Auch Bücher beleben ein Ortszentrum nur sehr bedingt. Beim Lokalaugenschein waren einige sonst leere Auslagen mit Büchern dekoriert, das Buchgeschäft selbst war gerade geschlossen.

"Man muss aktiv auf die Eigentümer dieser leer stehenden Gebäude und Geschäftslokale zugehen. Das muss organisiert werden, da braucht es einen Kümmerer. Da könnte vieles aufgebrochen werden", sagt Weber. Man werde zwar nicht überall kommerzielle Lösungen finden, sagt die Wissenschafterin, "aber vielleicht gibt es Vereine oder Menschen mit gleichen Hobbys, die ein Lokal brauchen."

Hauseigentümer erhalten interessantes Angebot

In Purgstall hat man im Zuge der Dorferneuerung genau das getan. In der einstigen Geschäftsstraße sowie in der angrenzenden Kirchenstraße wurden insgesamt zehn sogenannte Schlüsselobjekte definiert und den Eigentümern eine professionelle Bestandsanalyse angeboten. Immerhin sechs haben es angenommen.

Im vergangenen Dezember erhielten sie die Ergebnisse samt Vorschlägen zur eventuellen Sanierung, einer weiteren Nutzung und deren Finanzierung. Die Amortisationsdauer der vorgeschlagenen Projekte bei den sechs Häuser reichte zwischen 3 und 15 Jahren.

Die Idee dahinter ist, dass die Eigentümer oft weder Zeit, Muße noch genügend Expertise darin haben, zu überlegen, was aus einer Immobilie noch herauszuholen ist, deren ursprünglicher Zweck teilweise oder gänzlich obsolet geworden ist. Auch Amtsleiter Haugensteiner sagt: "In der Pöchlaner Straße wird es nicht mehr Richtung Gewerbe gehen."

Partizipation der Bevölkerung

Bei diesem wie auch bei anderen revitalisierenden Vorhaben ist die Teilhabe der Bevölkerung explizit gewünscht. Hinter partizipativen Ansätze steckt generell nicht nur die Hoffnung, dass die Menschen durch Einbindung in die Entscheidungsprozesse diesen positiver gegenüberstehen, das ist eher angenehmer Nebeneffekt für Politik und Verwaltung. Der Partizipation wird vor allem eine wichtige Rolle darin beigemessen, ob die Umsetzungen auch funktionieren.