Darauf wurde in Purgstall jedenfalls geachtet. Am 17. März fand die bisher letzte Informationsveranstaltung statt, in der die Neugestaltung des nahen Kirchenplatzes vorgestellt wurde. Der Umbau soll insgesamt 5,4 Millionen Euro kosten, wobei das Land Niederösterreich mit Förderungen hilft. Der heute schlecht genutzte Platz vor der Kirche soll zu einer Begegnungszone werden, mehr Verweilmöglichkeiten bieten sowie ein Wasserbecken und eine mobile Bühne erhalten. Heute gibt es praktisch keinen Grund, sich länger auf dem Platz aufzuhalten, die Straße führt mittendurch. Und eben das soll sich ändern. Schon im Sommer soll mit den Bauarbeiten begonnen werden.

Die Gemeinde als Immobilienhändler

"Man sollte sich von der Idee lösen, dass jedes Objekt zu retten sein wird. Wir müssen auch überlegen: Unter welchen Umständen bauen wir zurück? Was kostet das? Wer zahlt das?", sagt Gerlind Weber. Am Beispiel Purgstall berühren diese Fragen ein drittes Projekt im Rahmen der Dorferneuerung. Bei diesem geht es um die angrenzenden, mittlerweile beziehungsweise bald leer stehenden Gebäude des Kirchenplatzes, der ja neu gestaltet werden wird.

Die Gemeinde hat eines dieser Häuser erworben, ein lokaler Baumeister und ein Architekt jeweils ein weiteres. Geplant ist, dass in diesen drei Gebäuden wieder Leben einzieht, konkret soll es das eine oder andere Geschäft geben, vielleicht sogar einen Nahversorger, eine Kinder- sowie eine Seniorenbetreuung, und auch Wohnmöglichkeiten sollen wieder geschaffen werden.

In den vergangenen Jahren war die Bevölkerungsentwicklung zwar mehr oder weniger stagnierend, eine Belebung des Zentrums könnte aber wieder einen gewissen Schub bedeuten. Bei der letzten Erhebung im Jänner 2018 waren 5348 Personen in Purgstall gemeldet. Langfristig will die Gemeinde die Grundstücke im Ortszentrum jedenfalls nicht halten. Sie betreibt vielmehr ein aktives Flächenmanagement, wie das von Experten - unter anderem in dieser Zeitung - auch seit geraumer Zeit empfohlen wird. Der Markt alleine greift hier nicht mehr. Die Geschäftsinhaber finden keine Nachfolger mehr, auch der letzte Fleischhauer im Ort hat bisher niemanden gefunden, der seinen Betrieb weiterführen wird.

Für die weitere Entwicklung der Gemeinde wird auch interessant sein, was in der Nachbarschaft passiert. Denn nur wenige Kilometer weiter nördlich liegt Wieselburg. Die zwei Orte sind in ihrer Größe und Infrastruktur durchaus vergleichbar, auch wenn Wieselburg mit seinem Leitbetrieb ZKW Lichtsysteme, einem Autozulieferer, noch einmal in einer anderen Liga spielt als Purgstall mit seinem größten Arbeitgeber Busatis, der Messer unter anderem für Mähgeräte herstellt.

Nachbargemeinde erhält Ortsumfahrung

Ein wesentlicher Unterschied ist jedoch, dass die verkehrsintensive Bundesstraße mitten durch Wieselburg hindurchführt, während sie Purgstall eher nur tangential berührt. Das ist ein Vorteil. Bei der Ortskernbelebung kann die Bundesstraße dadurch mehr oder weniger ausgespart und eben eine Begegnungszone geschaffen werden, in Wieselburg wäre das nicht möglich.

Seit Jahrzehnten ist dort eine Ortsumfahrung ein großes Thema. Auch das: eine Folge der Motorisierung, die das Verkehrsaufkommen jedes Jahr wachsen lässt. Während die lokale Wirtschaft noch eine solche Umfahrung in den 1990er Jahren verhindert hat, ist der Druck mittlerweile zu groß geworden. Im Vorjahr war dann Baubeginn, im Herbst 2020 soll die Umfahrung fertiggestellt sein. Das muss nicht, kann aber auch Auswirkungen auf Purgstall und vor allem seine Handelsbetriebe haben. Einen großen Eurospar gibt es beispielsweise auch im "CityCenter" in Wieselburg. Wird dieser Kunden zugunsten der Filiale in Purgstall verlieren?

Zurückdrehen lässt sich eine jahrzehntelange Entwicklung, die dazu geführt hat, dass sich das einstige Zentrum Purgstalls geleert hat, nicht. Aber weiterdrehen lässt es sich vielleicht in die richtige Richtung. Auch wenn es viel Arbeit und viel Geld kostet.