Das Bildungsministerium formuliert es ähnlich. "Die Problematik besteht darin, dass es in vielen Gemeinden und auch Städten entweder keine Schwimmbäder gibt oder der Zugang für Schulen und Klassen nicht möglich ist", heißt es. Viele Schulen lösten dieses Problem insofern, als dass sie Schwimmen als Teil von Schulveranstaltungen wie einer Sportwoche anböten. Denn in den Lehrplänen von der Volksschule bis zur Sekundarstufe II (Oberstufe) sei Schwimmen, Springen und Tauchen nach wie vor vorgesehen und Bestandteil der Lehr- bzw. Studienpläne der Lehrerausbildung.

Den Zahlen der Wirtschaftskammer zufolge gab es im Vorjahr mit insgesamt 1353 Bädern um 156 weniger als 2011. Die Anzahl der Bäder ist also insgesamt geschrumpft. Aktuell finanziere etwa jede dritte Gemeinde ein Frei- oder Hallenbad mit oder betreibe es, sagt Andreas Steiner vom Österreichischen Gemeindebund. Die Kosten lägen dabei - Wien ausgenommen - bei 130 Millionen Euro. Für Wien betrage diese Summe rund 43 Millionen Euro jährlich, ergänzt Martin Kotinsky von der Magistratsabteilung 44 (Bäder).

Bei einem Badeunfall haften vorrangig die Eltern

Vereinzelt zahlen auch die Länder mit. Vor allem bei Abgangsgemeinden seien Schwimmanlagen "auf eine Unterstützung seitens des Landes angewiesen", heißt es zum Beispiel in der oberösterreichischen Bäderstudie von 2015.

Welche dieser Schwimmbäder einen Bademeister haben müssen, um der Aufsichtspflicht nachzukommen, ist gesetzlich nicht explizit festgeschrieben. Die Verkehrssicherungspflicht kann aber die Notwendigkeit einer Aufsicht begründen. In der Önorm EN 15288 - eine europäische Norm, die sicherheitstechnische Anforderungen für den Betrieb von klassifizierten Schwimmbädern festlegt - wird verlangt, dass der Betreiber eine Risikoanalyse macht. Anhand dieser wird beschlossen, ob eine Badeaufsicht erforderlich ist und welche Ausbildung sie haben muss. Nur ab einer bestimmten Schwimmbadgröße muss der Bademeister laut Brandner ein ausgebildeter Rettungsschwimmer sein.

Passiert ein Unfall oder ertrinkt ein Kind, haften aber vorrangig die Eltern, sagt Beate Gelbmann, Leiterin der Abteilung Klagen im Verein für Konsumenteninformation. Einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofes (OGH) zufolge sei ein Bademeister nie eine Aufsichtsperson wie etwa ein Elternteil, die Lehrerin oder der Kindergärtner. Laut einer weiteren OGH-Entscheidung sei eine lückenlose Aufsicht in Schwimmbädern zudem unmöglich.