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Graz. Diese Woche hat es Krakau erwischt. Die 1500-Einwohner-Gemeinde in einem der hintersten Winkel der Obersteiermark wird ab 2019 ohne Hausarzt auskommen müssen. Nach fast zwei Jahren Verhandlungen wurde die örtliche Arztstelle in die Nachbargemeinde verlegt, womit das Dorf auch die Hausapotheke verliert.

Für diese Kassenstelle gab es lediglich eine einzige Bewerberin, die dann die Nachbargemeinde Ranten bevorzugte. Für die kleine Ortschaft, die zuvor schon Post und Polizei verloren hat, ist das ein weiterer Schlag: "Das will eigentlich keiner glauben", schildert Bürgermeister Gerhard Stolz die Stimmung im Dorf: "Die Erschütterung ist sehr groß, weil man doch immer wieder von der Politik hört, dass die ländlichen Regionen gestärkt werden sollen. Dann hinterfragt man schon viele Dinge, wenn man so wichtige Infrastruktureinrichtungen verliert und das alles argumentationslos zur Kenntnis nehmen muss."

So ganz ohne Widerrede will man diese Vorwürfe bei der Ärztekammer nicht hinnehmen. Dort heißt es, die Distanz von sechs Kilometern zur neuen Arztpraxis sei zumutbar, da die Patienten schon bisher mit dem Auto zum Arzt gefahren seien. Chronisch Kranke würden weiterhin daheim versorgt werden, die Patientenversorgung sei sichergestellt.

Der Teufel liegt jedoch im Detail der Topographie der Gebirgsregion: Die Gemeinde zieht sich nach Westen bis zu 14 Kilometer, womit die am schlimmsten Betroffenen bis zu 20 Kilometer Autofahrt in Kauf nehmen müssen. Bürgermeister Stolz sieht bereits weitere Konsequenzen auf seine Gemeinde zukommen: "Nach dem Verlust der Planstelle könnte jetzt der tragische Schritt kommen, dass auch der Nahversorger aufgrund einer niedrigeren Frequenz die Konsequenzen zieht."

Da reicht es als Trost kaum, dass Krakau kein Einzelfall in der Steiermark ist. Es sind auch nicht nur die Landärzte, nach denen gesucht wird: Im Juni waren in der Steiermark 33 Kassenarztstellen ausgeschrieben, bei 15 von diesen gab es keine einzige Bewerbung. Verstärkt ist diese Entwicklung bei Fachärzten zu beobachten, speziell bei Kinderärzten sowie in der Gynäkologie und Psychiatrie. Nur neun Kandidaten bewarben sich für 18 ausgeschriebene Stellen, die mitnichten an der Peripherie angesiedelt waren. Damit hat der Landarztmangel auch die Städte erreicht: Leoben, Bruck, Deutschlandsberg, Judenburg, Zeltweg, Murau, Leibnitz, Mureck und Liezen kämpfen um die Nachbesetzung ihrer Kassenstellen.

Attraktivere Bedingungen

Schon zuvor warnte die Ärztekammer, dass sich das Problem in den kommenden Jahren verschärfen werde, da zahlreiche niedergelassene Ärzte in Pension gehen. Abhilfe könnten ein besseres Vergütungssystem sowie geteilte Kassenverträge schaffen. Bisher war die Vergütung degressiv. Das heißt, wenn ein Patient in einem Quartal mehrmals in die Praxis kommt, bekommt der Arzt jedes Mal weniger Geld.