Allerdings ginge es jungen Ärzten weniger ums Verdienen, sondern auch um die Work-Life-Balance, Flexibilität und Familienfreundlichkeit. Das trifft insbesondere auf Frauen zu, die es verstärkt in die Medizin zieht. Deren Partner finden auf dem Land kaum Jobs, weshalb beide also lieber in der Stadt bleiben.

In zähen Verhandlungen zwischen Gebietskrankenkasse (GKK) und der Ärztekammer wurde versucht, dieser Entwicklung gegenzusteuern. Erstmals seit vier Jahren einigten sich die Vertreter beider Seiten Anfang Juli auf einen neuen Vertrag. Die Einigung umfasst Investitionen von rund 16 Millionen Euro zur Stärkung der ärztlichen Versorgung mit den Schwerpunkten Allgemeinmedizin (plus 10 Prozent), Kinder- und Jugendheilkunde (plus 10 Prozent) sowie Gynäkologie und Urologie (jeweils plus sieben Prozent). Insgesamt sollen die Tarife um 6,36 Prozent angehoben werden, was es erleichtern sollte, Kassenstellen zu besetzen.

Ausgabenbremse als Hürde

Die Ärzte sollen nach einem Stufenmodell entlohnt werden, wobei ein Arzt mit weniger Patienten das gleiche Einkommen lukrieren kann. Auch das seit langem geforderte "Jobsharing" soll ermöglicht werden: Ärzte können sich künftig in einem auf drei Jahre anberaumten Pilotprojekt einen Kassenvertrag teilen.

Allerdings schweben über dieser Einigung noch zwei Fragezeichen. Zum einen muss sie vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger abgesegnet werden, was laut Plan im September geschehen soll. Bis dahin könnte jedoch ein neues Gesetz in Kraft getreten sein, das eine "Ausgabenbremse" für die Sozialversicherungen vorsieht - womit der Hauptverband der steirischen Einigung seine Zustimmung verweigern könnte, da ihm das neue Gesetz eine andere Vorgangsweise verbieten würde.

Zum anderen zögern die Ärzte, die neu verhandelten Verträge anzunehmen. Viele sind enttäuscht von den bisherigen Erfahrungen, sie wollen sich nicht mehr mit einem Kassensystem beschäftigen, das ihrer Meinung nach von Funktionären fernab der Realität gesteuert wird. Hört man sich unter den Ärzten um, scheint der Glaube an die Selbstheilungskräfte des Systems geschwunden.

Johannes Steinhart, Obmann der Bundeskurie niedergelassener Ärzte, drängt daher auf eine rasche Umsetzung des ausgehandelten Vertrages: "Es ist sehr zu hoffen, dass die Vernunft siegt und die Bundesregierung diesen sehr sinnvollen und längst fälligen Vertrag nicht zu Fall bringt, indem sie auf ihrer Ausgabenbremse beharrt. Das wäre definitiv Sparen am falschen Ort." Vertreter des Sozialministeriums versicherten zuletzt, dass die "Ausgabenbremse" keine Auswirkungen auf den Vertragsabschluss in der Steiermark haben werde.

Recruiter suchen nach Ärzten

In Kärnten zeigte sich Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) zuletzt flexibel, indem sie überraschend Primärversorgungszentren im niedergelassenen Bereich und Verbesserungen bei der Gebietskrankenkasse zusagte. In der Steiermark wertet man das als positives Signal. So sagte der Obmann der steiermärkischen Gebietskrankenkasse, Josef Hark, dass die Vertreter des Ministeriums bereits bei der entscheidenden Sitzung des GKK-Aufsichtsrats kein Veto eingelegt hätten.

Doch auch im Falle einer Einigung erwarten Experten für Regionen wie das Murtal oder das südsteirische Grenzgebiet anhaltende Probleme bei der Ärzteversorgung. Die Bemühungen, offene Stellen nachzubesetzen, werden immer verzweifelter, immer häufiger wird auf Dienste professioneller Personal-Recruiter zurückgegriffen. Denn auch die Bürgermeister befinden sich in einer Zwickmühle: Jede unbesetzte Arztstelle könnte bei der nächsten Wahl Stimmenverluste zur Folge haben.