"Linz verändert." So lautet seit zehn Jahren der offizielle Slogan der oberösterreichischen Kapitale. Ihn dürfte sich vor allem die Planungspolitik zu Herzen genommen haben, was nicht zuletzt an der Stadtsilhouette und den sich rasch vermehrenden Hochhäusern ablesbar ist. Ob die Veränderungen Linz zum Besseren wenden, ist fraglich. Denn seine Stadt- und Verkehrsentwicklung läuft den gängigen Vorstellungen von "nachhaltig" oder "zukunftstauglich" völlig zuwider. Eher erinnert Vieles an den Stadtumbruch der 60er und 70er Jahre – den damals vor allem modernisierungswütige Ingenieure befeuerten, während er heute von einer zunehmend spekulativen Baubranche und einer immer unsachlicheren Politik vorangetrieben wird.

So steht Ende 2018, zwei Jahrzehnte nach Beschluss des Kyoto-Protokolls, tatsächlich der Neubau einer Stadtautobahn, des Westrings, an – wofür im Stile der Nachkriegszeit auch eine ganze Häuserzeile in der Waldeggstraße abgerissen wird. Die künftige A26 soll den Pendlerverkehr aus dem westlichen Mühlviertel aufnehmen und in Bahnhofsnähe bis an das Zentrum heranführen. Alternativen für Pendler, allen voran die überfällige Attraktivierung der Mühlkreisbahn samt Errichtung kleinregionaler Park&Ride-Anlagen, wurden dagegen nie ernsthaft verfolgt. Schließlich laufen die Planungen für den Westring bereits seit 1972, auch wenn sie vom Bund zwischenzeitlich sogar verworfen wurden.

Oberösterreichs Verkehrspolitik und insbesondere ÖVP-Langzeitlandesrat Franz Hiesl, der sich über Jahrzehnte den Ruf als "oberster Betonierer" erwarb und den Schienenverkehr geradezu als menschlichen Irrweg sah, hielten aber an dem Projekt fest. Denn gestandene Landesfürsten verzichten niemals auf vom Bund bereits zugesagte Gelder, auch wenn deren Verbauung längst keinen Sinn mehr ergibt.

Selbst das straßenbaufreundliche Verkehrsministerium zog 2010 die Angemessenheit der Autobahnplanung in Zweifel und drängte auf eine Redimensionierung in Form einer Landesstraße. Die Asfinag erklärte zu jener Zeit eine Realisierung der damals noch 8,4 Kilometer langen A26 für unfinanzierbar.

"Unfinanzierbare" Autobahn wird gebaut – zur Hälfte

So strengten Stadt und Land im Jahr darauf einen klassisch österreichischen Kompromiss mit dem Bund an: Wenn das Geld für eine überflüssige Autobahn fehlt, baut man sie eben nur zur Hälfte. "Argumente" für den 4,7 Kilometer langen, im Vorjahr endgültig genehmigten Südteil fielen den Stadt- und Landesvätern genügend ein – auch wenn Umweltministerium und Umweltbundesamt sie in ihren Stellungnahmen als völlig unseriös entlarvten. So sei die prognostizierte Verkehrs- und Emissionsreduktion als Folge des Westrings eine ebenso absurde Fantasie wie die behaupteten Vorteile für den Siedlungs- und Wirtschaftsraum – und nicht zuletzt laufe das Projekt den völkerrechtlich verbindlichen Klimaschutzzielen eindeutig zuwider.