Kindergärten, Schulen, Sprach- und Wertekurse, aber auch Sportvereine, örtliche Betriebe, Initiativen, die Pfarrgemeinde - in dieser Reihenfolge nennen die befragten Bürgermeister Organisationen, die wertvolle Beiträge vor Ort für die Integration von Flüchtlingen leisten. 53 Prozent der Bürgermeister sagen aber auch, dass sie in den Gemeinden sehr große Unterstützung durch Ehrenamtliche hatten, weitere 45 Prozent, nennen zumindest deren punktuelle Hilfe.

"Auch bei uns wäre das alles ohne die Freiwilligen, die sich 2015 zusammengeschlossen haben, gar nicht möglich gewesen", sagt Weil über die Brucker. "Und die vergrämt man dann mit solchen Entscheidungen." Die Abschiebung Sarvaris treffe sie "wie ein Keulenschlag".

Stimmung in Niederösterreich als Ausreißer

Für Christian Konrad sind die Gemeinden "Biotope für Menschlichkeit und Demokratie": "Die Bürgermeister sind unmittelbar an den Menschen dran. Sie reagieren gelassen und pragmatisch, nehmen ihre Aufgabe, Ängste zu nehmen, wahr". Das scheint laut Sora-Umfrage durchaus zu gelingen: 85 Prozent sagen, dass die Aufnahme von Flüchtlingen sehr gut oder gut gelungen ist, zum Vergleich: 13 Prozent sagen weniger oder gar nicht gut. 42 Prozent hoffen, dass die Flüchtlinge bleiben, 13 Prozent dagegen nicht.

36 Prozent der Bürgermeister sehen in der Aufnahme von Flüchtlingen Vorteile, 20 Prozent Nachteile. Die Einstellung gegenüber Flüchtlingen habe sich seit 2015 verändert, und zwar zum Positiven: Das sagen österreichweit 54 Prozent; 16 Prozent sagen zum Negativen. Nur Niederösterreich ist anders: Da zeichnen die Bürgermeister mit 45 Prozent positiven im Vergleich zu 26 Prozent negativen Einschätzungen ein deutlich negativeres Bild.

Warum das? Ein Grund sei die weniger urbane Bevölkerung im Bundesland, sagt Sora-Leiter Günther Ogris. Er sagt aber auch: "Niederösterreich ist das einzige Bundesland, in dem ein FPÖ-Landesrat für das Thema zuständig ist." Gottfried Waldhäusl (FPÖ) ist seit März diesen Jahres Landesrat für Tierschutz, Gemeindeärzte, Asyl und Mindestsicherung. Vor kurzem tat er sich mit einem Schreiben an die Quartiergeber von Asylwerbern im Bundesland hervor, dass diese deren Vermögenswerte und Anwesenheit kontrollieren mögen.

Auch Weil stellt fest, dass "die Flüchtlingshilfe im Ort erst sehr positiv aufgenommen wurde, jetzt aber von oben herab einen negativen Touch verpasst bekommt, wenn permanent Negatives getrommelt wird". Das habe Auswirkungen: "Das spaltet die Bevölkerung." - "Die Situation bietet keinen Anlass für übertriebene Ängste und Sorgen", mahnt Konrad.