Wien. "Ich vermisse dich, mein Freund", hinterließ Dieter Huber auf Aref Sarvaris Facebook-Pinnwand. Es sind Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Bruck an der Leitha, die den 27-jährigen Afghanen als Freund bezeichnen.

Sarvari ist seit Ende Jänner nicht mehr in Niederösterreich, sondern in Afghanistan. Vermutlich in Masar-e Scharif, sagt Helga Longin, die ihn gemeinsam mit Kollegen im Rahmen der Initiative "Bruck hilft" wie andere Flüchtlinge unterstützt hatte. "So genau weiß ich das aber auch nicht", sagt sie ebenfalls: "Die Verbindung beim letzten Telefonat ist gleich abgerissen. Wir leben echt in Sorge. Das ist ja kein Auswandern, wie wenn man in die USA geht."

In Bruck an der Leitha warten mehr als 30 Freunde, die Savari seit 2015 kennengelernt habe; die Brucker Fußball-Jugend und die zweite Kampfmannschaft, wo er dem Trainer assistierte; die katholische Kirche, Savari ist Christ; das Rote Kreuz, wo er Helfer war; eine Wohnung, ein Job beim Abfallservice Jüly, wo er von der Chefin eine Einstellungszusage hat.

All diese Leute werden weiter warten, warten müssen - denn Savaris Abschiebung wurde trotz alledem vom Bundesverwaltungsgericht damit begründet, der junge Afghane sei nicht genug integriert, um ein Bleiberecht zu erhalten. "Das ist an Absurdität nicht zu überbieten", sagt Longin. "Recht muss Recht bleiben", ist aber die Antwort verschiedener Vertreter beider Regierungsparteien in ähnlichen Fällen.

Wunsch nach rascheren Verfahren und Arbeitserlaubnis

"Recht muss Recht bleiben, gilt nicht nur für jene, die Recht suchen, sondern auch für jene, die Recht sprechen", sagt Christian Konrad, der gemeinsam mit Ferry Maier, Flüchtlingskoordinator war und sich weiter für das Thema engagiert. Maier spricht 42 Prozent aufgehobene negative Bescheide aus Asylverfahren an. Er spricht von 220 Verwaltungsrichtern, die über 32.000 Bescheide zu befinden hätten, "das entspricht nicht dem Recht auf ein schnelles Verfahren".

Genau das aber würden sich die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister wünschen. Eine Sora-Umfrage für die Allianz "Menschen.Würde.Österreich" zeigt: 70 Prozent der befragten Bürgermeister in Gemeinden mit Flüchtlingen sehen Handlungsbedarf bei der Dauer von Asylverfahren, ebenso vielen fehlt eine Arbeitserlaubnis für Asylwerber schon während des Verfahrens. 30 Prozent sehen auch Handlungsbedarf bei den einzuhaltenden Vorschriften und der Bürokratie.

Auch für Gerhard Weil, Bürgermeister von Bruck an der Leitha, sind schnellere Verfahren das wichtigste Anliegen: "Eine Entscheidung vorher und nicht erst, wenn sie voll integriert sind. Da sind welche darunter, die besser Deutsch können als mancher Österreicher, die umtriebig und fleißig sind, und dann reißt man sie währenddessen raus."