Wien. Value Engineering" (VE) beschreibt eine Methode, die vor allem im Bauwesen zu Verbesserungen des Planens und Bauens auf mehreren Ebenen führen kann. VE ist ein effizientes Instrument, das vor allem für Gemeinden einen spannenden Mehrwert ermöglicht. Denn gebaut wird genau nach Bedarf, zu einem guten Preis - und in einer überschaubaren Bauzeit.

Entschließt sich etwa eine Gemeinde, ein Freizeitzentrum zu errichten, wird in der Regel ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben. Jedes Bauwerk ist ein Unikat - jeder Bauherr hat seine Bedürfnisse und Ideen -, aber auch jeder Architekt sucht den besten Weg zur Erfüllung der Aufgabenstellung. Im Grunde wollen alle das gleiche - ein Bauwerk. Nur die Wege und die Motivationen sind höchst unterschiedlich. Der Bürgermeister, der von seinem Gemeinderat den Auftrag erhält, ein Freizeitzentrum zu bauen, ist zwar die oberste Bauinstanz in seinem Ort, aber häufig mit seiner Rolle als Bauherr überfordert. Zudem wird von verschiedenen Seiten auf ihn eingewirkt - und letztlich kostet ihn das Projekt vielleicht den Kopf, wenn die Baukosten überschritten werden. Selbst wenn er drei unterschiedliche Angebote erhält, die allesamt im Budgetrahmen liegen, kann er die Entwürfe und die Kosten vergleichen - Nutzen und Wirkung des Projekts werden selten hinterfragt. Mit Hilfe von Value Engineering erhält er eine Nutzen-Wirkungs-Analyse. Der Ingenieur oder Berater, der das Value Engineering übernimmt, fragt den Auftraggeber zuerst, warum er überhaupt ein Freizeitzentrum bauen will. Mit der Antwort auf diese Sinnfrage können meist erste Missverständnisse geklärt werden und es kann punktgenau für den Bedarf weiter an der Idee einer Gemeinschaftseinrichtung gearbeitet werden. Was soll dort alles passieren? Wer wird das Angebot nützen? Gibt es vielleicht Nachbargemeinden, die als Partner dazu geholt werden können?

Value Engineering erweitert die Möglichkeiten eines Bauvorhabens und reduziert in vielen Fällen gerade deshalb die Kosten. Das Endergebnis liefert schließlich mehrere Sichtweisen und Entscheidungsgrundlagen, die im Wesentlichen für die Ausschreibung des Wettbewerbs verwendet werden können. Ein im Vorfeld durchgeführtes VE hilft Zeit zu sparen - ein wichtiger Aspekt bei allen Bauvorhaben. Die Methode verbessert aber ebenso die Kommunikation zwischen Projektpartnern, die oft gegensätzliche Interessen verfolgen. Der Bürgermeister behält in der Rolle als Bauherr den Überblick.

Nutzenanalyse

VE ist eine strukturierte Denkmethode für die Entwicklung und Planung von Projekten, Produkten, Aufgaben und Services. Mit Value Analysis, also der Wertanalyse, können Wert und Nutzen ermittelt sowie der Ressourcenverbrauch
minimiert werden. Somit zählen Value Engineering und Analysis zu den nachhaltigen Methoden, die
vor allem in der Bauwirtschaft
sinnvolle Instrumente sind. Nachhaltig Bauwerke verfügen über ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Bauzeit und Nutzen, zwischen Zweckmäßigkeit und Funktionalität - weit über ihren Lebenszyklus hinaus.

Value Engineering stammt aus den 1940er Jahren und wurde von Lawrence D. Miles für die Industrie entwickelt. Es wird mittlerweile weltweit bei komplexen Bauvorhaben angewendet. In den USA, Japan und Skandinavien ist VE bei großen öffentlichen Projekten längst Pflicht. Das US-Normungsinstitut, ASTM International, hat bereits Normen dazu veröffentlicht: E2013-12 und E1699-13. Am 24. und 25. Oktober findet in Kooperation mit der "Wiener Zeitung" und der "Überbau-Akademie" der "1. Austrian Value Engineering Konvent" unter dem Motto "Sound Value" im Palais Niederösterreich in Wien statt.

Einer der Initiatoren ist Ortfried Friedreich, Axis Ingenieure. Für ihn ist Value Engineering "eine Denkmethode, ein völlig anderer Ansatz, an große, komplexe Bauvorhaben heranzugehen." Als Beispiel nennt er die A 22 in Wien, bei der die Fahrbahnfugen erneuert werden mussten - bei aufrechtem Verkehr und zur Zufriedenheit aller Beteiligten. Das Ergebnis war das "Fly over", eine temporäre Überbrückung, die eine Reparatur der darunter liegenden Straße ermöglichte ohne den Verkehrsfluss zu beinträchtigen. "Wesentlich ist, dass vorab der Nutzen und die Wirkung diskutiert und geklärt werden - daraus entsteht dann die Lösung , die das Produkt letztlich verbessert und in seinem Wert erhöht."

Wiener Konvent

Der "Austrian Value Engineering Konvent" will den interdisziplinären Austausch zum Thema fördern und das Instrument als nachhaltige Methode auch in Europa etablieren. Mit verschiedenen Best-Practice-Beispielen werden die Potenziale von Value Engineering von Abu Dhabi bis Kanada und Österreich aufgezeigt.

Dabei werden besonders folgende Themenbereiche rund um das Planen und Bauen behandelt:

Stadtplanung und Bauprojektentwicklung,

Öffentliche Auftraggeber,

Infrastruktur,

Industrie: Produkte und Produktion, Projektmanagement.