- © Radstadt
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Radestat, Radistat oder Rastat? Nein, hier hat sich niemand verschrieben. Alle drei Namen waren tatsächlich frühere Bezeichnungen der 1400-Einwohner-Gemeinde Radstadt. Zugegeben, der Ortsname verleitet zu einigen Interpretationen, was seine Herkunft anbelangt: Wurde in Radstadt etwa das Rad erfunden? Auch wenn sich die damaligen Stadtväter nicht auf einen Ortsnamen einigen konnten, mit der Erfindung des Rades hat die rund 700 Jahre alte Stadt im Salzburger Pongau nichts zu tun.

"Rastat", "Radestat", "Radistat" - alle drei Formen wurden überliefert. Ob es sich bei der Namensgebung um einen slawischen oder germanischen Ursprung handelt, ist bis heute noch ungeklärt.

Die erste schriftliche Namensnennung "Rastat" findet sich in einer lateinischen Urkunde aus dem Jahr 1074. "Ras" lässt sich alt- und mittelhochdeutsch von "rasta" ableiten, was so viel bedeutet wie Ruhe, Verweilen beziehungsweise Wegstrecke und Rast. Mit dem mittel- beziehungsweise althochdeutschen Wort "rade" könnten Mühle, Kreis, Biegung, aber auch Sumpf oder Ufer gemeint sein. Bezeichnungen, die alle den sumpfigen Talboden am Nordabhang der
Tauern beschreiben. Eine weitere Spekulation deutet an, dass es sich bei "Radistat" um einen Personennamen handelt, wie etwa "Wohnstätte des Rado(lf)." Eine andere Interpretation bemüht sich um
eine symbolische Deutung des Wappens. So könnte sich das
(Wagen-)Rad im Wappen auf das aus dem Alt- beziehungsweise Mittelhochdeutschen abgeleitete "rad" in der Bedeutung von Mühle beziehungsweise Radstätte beziehen.

Gustav Sinnhuber, Stadtarchivar von Radstadt führt den Namen auf den Bergbau zurück. Das in der Gegend gewonnene Erz wurde in von Wasser betriebenen Pochwerken (Radstätten) zur Weiterverarbeitung aufbereitet.

Ein Bauernaufstand

Der grausame Kampf der Bauern gegen kirchliche Machthaber hat auch in Radstadt seine Spuren hinterlassen. Der Höhepunkt der Kämpfe war die erfolglose Belagerung der Stadt durch aufständische Bauern Anfang des 16. Jahrhunderts. Die massiven Stadtmauern von Radstadt hielten der Belagerung von 5000 Bauern stand. Für die tapfere Verteidigung erhielt die Stadt ein Jahr später, 1527, von Erzbischof Matthäus Lang den "großen Freiheitsbrief" sowie den Titel "allzeit getreu". Als Folge des Bauernaufstands bildete sich vor mehr als 700 Jahren die privilegierte, uniformierte Bürgergarde, die zur Verteidigung der Stadt gegründet wurde. Die Garde existiert heute noch. Prägend für die damalige Zeit waren auch sechs verheerende Großbrände, welche die Stadt zwischen 1365 und 1865 heimsuchten. Dadurch wurde Radstadt vieler historischer Bauwerke beraubt. Einzig der Schusterturm (eine spätgotische Lichtsäule aus dem Jahr 1513) am Friedhof überlebte als stiller Zeuge dieser Zeit.

"Ein Künstler, als der Hofhaimer auf der Orgel oder der Dürer von Nürnberg auf der Malerei." Mit Dürer in einem Atemzug erwähnt zu werden, und das vom weltberühmten Arzt Paracelsus, zeugt von großem Talent.

Paul Hofhaimer (1459-1537) genoss große Berühmtheit als Orgel- und Lautenspieler, als Komponist und Dirigent, als Erfinder des Regales und als Hofmann des Kaisers Maximilian. Seine musikalische Ausbildung startete er in der Schule der Radstädter Stadtsinger und Organisten. In weiterer Folge erhielt er seine Ausbildung in Innsbruck am Hof des "verschwenderischen Sigismund". Von hier kam er zu Kaiser Max, mit dem er "wye eyn zigeyner" 30 Jahre herumreisen musste. Der Höhepunkt seiner Laufbahn war der Ritterschlag und die Verleihung eines Wappens anlässlich der berühmten Doppelhochzeit von Ludwig II. von Ungarn und Maria von Habsburg sowie Kaiser Maximilian und Anna von Ungarn am 22. Juli 1515 im Wiener Stephansdom.

Radstadt als Touristenort

Die einst durch ihre dunkle Vergangenheit schwer gezeichnete Ortschaft hat sich zu einer blühenden Touristendestination entwickelt. Tradition und Gastfreundschaft werden in der 4800-Einwohner-Stadtgemeinde großgeschrieben. Aus Gasthöfen wurden Hotels. Aus Stuben wurden Restaurants. Aus Salons wurden Cafés. Neuzeitlich sind Diskotheken und Pubs. Als bekanntes Touristendomizil lockt die mehr als 700 Jahre alte Stadt jedes Jahr unzählige Touristen an.