Was in Évry fehlt, so Franck Senaud, sei eine starke kulturelle Dynamik und ein Angebot mit Bezug zur Stadt selbst, so wie es Saint-Quentin-en-Yvelines vormache: Die "Ville nouvelle" im Südwesten von Paris verfügt über ein eigenes Museum, das den eigenen Bewohnern und Besuchern von außen die Geschichte der Stadt erklärt, ihre Entstehung, ihre Besonderheiten. Stolz ist sie auf das vom Kulturministerium verliehene Label einer "Stadt der Kunst und der Geschichte" - das sonst vor allem Orte mit langer Historie erhalten. Diese Auszeichnung haben in Frankreich nur vier Prozent der im 20. Jahrhundert errichteten Gebäude erhalten, heißt es auf der Homepage des Museums. "Die Anerkennung von Saint-Quentin-en-Yvelines markiert eine weitere Etappe für die Wertschätzung der Villes nouvelles, ein starkes Signal für die zeitgenössische Schöpfung."

Der Vergleich zeigt die unterschiedliche Entwicklung der fünf Planstädte um Paris. So hat sich Saint-Quentin-en-Yvelines weitaus stärker als Évry zu einem attraktiven ökonomischen Zentrum entwickelt, wo mehr als 7000 Firmen ihren Geschäftssitz haben und es neben großen Unternehmen wie Renault, Thales und EADS auch zahlreiche kleine und mittelständische Betriebe gibt sowie eine Reihe Forschungszentren.

So befindet sich hier ein Teil der Universität Versailles-Saint-Quentin-en-Yvelines sowie des Forschungs-Clusters Paris-Saclay. 2004 wurden sieben Städte in der nahen Umgebung angegliedert, sodass es sich mit insgesamt mehr als 145.000 Einwohnern tatsächlich um ein regionales Zentrum handelt, wie es ursprünglich für die "Ville nouvelle" angedacht war. Und kommen auch viele der Beschäftigten aus dem Großraum Paris, so lebt mehr als jeder Dritte im Ballungsraum Saint-Quentin-en Yvelines - anders als in Évry liegt dort die Arbeitslosenquote mit 7,5 Prozent deutlich unter dem Landesdurchschnitt mit Folgen für das soziale Klima.

Franck Senaud glaubt allerdings, dass auch in seiner Stadt die Architekten von damals noch recht bekommen: "Sie waren wohl ihrer Zeit voraus." Die Gestaltung grüner Innenstädte mit einem echten Kern treffe heute einen Nerv. Er selbst, ein Künstler, wohne im Viertel "Pyramiden", das architektonisch innovativ sei, aber unter einem Sicherheitsproblem leide. "Es ist ein toller, inspirierender Ort. Meine Fenster sind sechs Meter hoch. Die Künstler sind immer die Ersten, die in alternativen Vierteln ankommen, dann folgt die Mittelschicht." Und das hieße, die Idee der Villes nouvelles ginge doch noch auf.