Warum baut man diese Gebäude nicht in Serie?

Weil man nur an die Errichtungskosten denkt, und keine langfristige Verantwortung übernehmen will.

Sie haben auch von der Vermeidung jedes Neubaus zugunsten der Nutzung des Bestandes gesprochen. Wie soll das bei einer wachsenden Stadt funktionieren?

Würde man theoretisch die Fläche des vorhandenen Leerstands nutzen, müsste Wien die nächsten drei Jahre keinen Neubau errichten. Das betrifft vor allem Industrie- , Gewerbe- und Bürobauten. Und alle nur eingeschoßigen Konsumbauten müssten verpflichtend überbaut werden.

So viel Leerstand gibt es?

Ich meine potenziell. Die ganze Immobilienwirtschaft ist auf Neubau fixiert. Das Problem ist, dass ab dem 20. Jahrhundert keine Gebäude für Mehrfachnutzung mehr gebaut wurden. Bei den Häusern bis zur Gründerzeit war das noch anders: Erdgeschoß und Obergeschoß wurden kommerziell genutzt und darüber kamen Büros, dann Wohnungen. Ab dem 20. Jahrhundert erfolgte die Funktionstrennung. Und das macht die Nachnutzung so schwer.

Haben Bürgerinitiativen recht, jeden Neubau verhindern zu wollen?

Natürlich muss es immer auch Neubau geben - wenn damit eine städtebauliche Leerstelle verbessert werden kann und die Öffentlichkeit durch einen städtebaulichen Vertrag davon profitiert. Wenn sich die Gegner nur darauf berufen, dass sich nichts ändern darf, dann ist es ein Machtkampf, und man will nur seine eigenen Privilegien sichern. Ich darf aus dem letzten Interview mit dem leider verstorbenen Musiker Wilfried Scheutz zitieren: "Aufbegehren finde ich großartig. Aber dass jetzt jeder ungebildete Trottel im Internet, aber auch in Fernsehsendungen und bei Leserzuschriften raunzt, ohne dass er sich vorher informiert hat, worum es überhaupt geht, ist eine Katastrophe. Das verhindert die Entwicklung des Staates und das Vorankommen der Menschheit (...)."