Meinungsumfragen genießen nicht den besten Ruf. Doch im Fall von Liz Cheney trafen die Prognosen zu, dass der Wahlabend für die Amtsinhaberin zum Desaster werden würde. Sie erzielte bei den Vorwahlen der US-Republikaner am Dienstag nicht einmal 30 Prozent, ihre Konkurrentin Harriet Hageman kam auf 65 Prozent der Stimmen. Damit ist Hageman Kandidatin der Republikaner bei der Wahl um einen Sitz im Repräsentantenhaus für den Bundesstaat Wyoming im November.

Wyoming klingt wenig spektakulär. Nicht einmal 600.000 Einwohner leben in dem dünnstbesiedelten Bundesstaat der USA, der für den Yellowstone-Nationalpark bekannt ist. Doch auch an der Peripherie zeigt sich, wie die traditionellen Republikaner immer stärker an den Rand der Partei gedrückt werden. Cheney plädiert für möglichst wenig Einmischung des Staates, niedrige Steuern und den Erhalt der militärischen Überlegenheit der USA. Sie gehört zum republikanischen Adel, Vater Dick Cheney diente acht Jahre als Vizepräsent unter George W. Bush. Gesellschaftspolitisch sorgte Liz Cheney für Aufsehen, als sie mit ihrer lesbischen Schwester öffentlich über gleichgeschlechtliche Ehen stritt. Für die Konservative gilt aber auch der Grundsatz, wonach Fakten auch Fakten bleiben müssen.

70 Prozent für Trump

Das genügt, um eine Außenseiterin bei den Republikanern zu sein. Cheney ist stellvertretende Vorsitzende des parlamentarischen U-Ausschusses zur Aufklärung des Sturms auf das Kapitol vom Jänner 2021. Anhänger von Donald Trump versuchten damals gewaltsam, den Verlierer der Präsidentschaftswahl im Amt zu halten, fünf Menschen starben. Neben Cheney gehört nur ein weiterer Republikaner dem Ausschuss an.

Trump-Fan Harriet Hageman deklassierte Cheney und kämpft nun um einen Sitz im Repräsentantenhaus. 
- © afp / getty images / Michael Smith

Trump-Fan Harriet Hageman deklassierte Cheney und kämpft nun um einen Sitz im Repräsentantenhaus.

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Andere ducken sich weg oder verbreiten Trumps Mär, wonach die Wahl manipuliert und er um den Sieg betrogen worden sei. Auch Cheneys Konkurrentin Hageman bediente sich dieser Lüge. Sie erklärte auch, Wyomings Bürger interessierten sich nicht für den Kapitol-Sturm und fänden den U-Ausschuss ungerecht. Das kam an in Wyoming, wo fast 70 Prozent der Bürger bei der Präsidentschaftswahl Trump wählten - so viele wie in keinem anderen der 50 Bundesstaaten. Hageman legte nach Cheneys Niederlage nach: Diese sei von Trump "besessen". Und der Ex-Präsident nannte Cheney eine "Närrin".

Cheney hingegen fürchtet die USA an einem Punkt, "an dem unsere Demokratie wirklich angegriffen und bedroht ist". Sie kündigte nach ihrer Niederlage an, auch künftig "alles" zu unternehmen, damit Trump nicht wieder ins Weiße Haus einzieht und denkt eine Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl 2024 an.

Bereits im November steht die Midterm election an, die das politische Gewicht verschieben könnte. In beiden Parlamentskammern verfügen die Demokraten nur über ein geringes Übergewicht. Im Senat ist die Mehrheit knappestmöglich: Es steht 50 zu 50, bei Gleichstand zählt die zusätzliche Stimme von Vizepräsidentin Kamala Harris. Sie sicherte auf diese Weise in der vergangenen Woche Bidens "Inflationsbekämpfungsgesetz". Vorgesehen sind unter anderem 370 Milliarden Dollar für Energiesicherheit und Klimaschutz sowie 64 Milliarden Dollar für das Gesundheitswesen. Der Präsident muss Erfolge liefern, denn gewinnen die Republikaner die Mehrheit im Kongress, können sie die Agenda des Weißen Hauses ständig unterlaufen.

Kritiker dezimiert

Alle 435 Sitze des Repräsentantenhauses werden bei den Midterms neu gewählt. Bisher entfielen 211 Mandate auf die Republikaner. Nur zehn von ihnen stimmten 2021 für ein zweites Amtsenthebungsverfahren gegen Trump aufgrund des Kapitol-Sturms. Und gar nur zwei haben eine Chance, wieder in den Kongress einzuziehen. Im Senat werden 35 der 100 Sitze neu vergeben. Von diesen halten die Republikaner 21 Abgeordnete, die Demokraten 14.

Eine Mischung aus klaren Mehrheiten und knappen Ergebnissen ist zu erwarten. In Georgia sicherten sich die Demokraten 2021 einen Senatssitz mit nur zwei Prozentpunkten Vorsprung. Für die Republikaner tritt nun Herschel Walker an. Auch er bestreitet, dass Trump auf legalem Wege sein Amt verlor. Aber selbst unter Republikaner ist strittig, ob der Ex-Footballer ein geeigneter Kandidat ist. Aber nicht wegen der Bande zu Trump, sondern weil Walker über keinerlei politische Erfahrung verfügt, in der Vergangenheit an psychischen Problemen laborierte und nicht einmal in Georgia lebt.